Neues und treues Publikum für die Oper

Gute Zahlen, zufriedenes Publikum: Das Zürcher Opernhaus präsentiert die Bilanz der Saison 2018/19.

Christian Spucks Choreografie der «Winterreise» war zu 99,3 Prozent ausgelastet: Das war der Rekord in der Saison 2018/19. Foto: Gregory Batardon

Christian Spucks Choreografie der «Winterreise» war zu 99,3 Prozent ausgelastet: Das war der Rekord in der Saison 2018/19. Foto: Gregory Batardon

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93 Prozent der Besucherinnen und Besucher würden das Opernhaus weiter empfehlen: Das ergab die jüngste Ausgabe jener Publikumsbefragung, die alle paar Jahre durchgeführt wird. Die Zahl ist ebenso bemerkenswert wie ihr Gegenstück: Nur gerade 3 Prozent der 3524 Umfrage-Teilnehmenden gaben an, sie seien unzufrieden mit dem, was geboten wird. Die Opernhausleitung präsentierte das Resultat an der gestrigen Medienorientierung entsprechend zufrieden.

Auch sonst lässt sich aus dieser Umfrage allerlei Aufschlussreiches herauslesen. Etwa über die Zusammensetzung des Publikums: 57 Jahre alt ist der Durchschnittsbesucher – und damit deutlich jünger als früher. Der Anteil der unter 35-Jährigen, die am Ende der Ära Pereira 2013 noch rund 6 Prozent betrug, wurde auf 15 Prozent mehr als verdoppelt (und diese Zahl betrifft nur die erwachsenen Besucher; dazu kommen noch zahlreiche Kinder).

Bemerkenswert ist auch das Verhältnis von «neuem und treuem Publikum», wie es die Opernhaus-Marketingdirektorin Sabine Turner nannte: 19 Prozent der Besucherinnen und Besucher kamen nach Andreas Homokis Amtsantritt erstmals ins Opernhaus; 27 Prozent waren dagegen schon vor 1975 dabei. Das Ziel, das Homoki sich bei seinem Amtsantritt gesetzt hatte – neues Publikum gewinnen, altes nicht vergraulen –, wurde damit durchaus eindrücklich erreicht.

Rekordauslastung im Ballett

Auch in finanzieller Hinsicht hält der Erfolg an. Die Auslastung stieg noch einmal ein bisschen weiter: Auf 90,2 Prozent beläuft sie sich nun, auch dank der zu 98 Prozent ausgelasteten Ballett-Aufführungen. Dass die Besucherzahlen und die Einnahmen gegenüber der vorherigen Spielzeit trotzdem leicht gesunken sind, liegt daran, dass auf der Hauptbühne sechs Vorstellungen weniger gegeben wurden. Total fanden 244 Aufführungen statt.

Schwieriger ist dieses Jahr die Frage nach dem Gewinn zu beantworten; denn auf Wunsch des Kantons hat das Opernhaus die Rechnungsführung umgestellt. Stille Reserven mussten aufgelöst werden, neu werden Immobilien (also das Opernhaus selbst, die Probebühnen sowie Lager- und Büroräumlichkeiten) als Wert ausgewiesen. Das Resultat ist ein Jahresgewinn von gut 46 Millionen Franken – der allerdings nur auf dem Papier existiert, da niemand daran denkt, das Opernhaus zu verkaufen.

Sicher ist: Der reale Gewinn war gross genug, um den noch fehlenden Betrag für das Lagergebäude Kügeliloo abzubezahlen. Und: Die Eigenwirtschaftlichkeit ist mit 36,2 Prozent im internationalen Vergleich immer noch sehr hoch – und liegt deutlich über den vom Kanton verlangten 30 bis 35 Prozent.

Erstellt: 16.12.2019, 17:08 Uhr

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