«Pavarotti ist lebendig gestorben»

Nicoletta Mantovani, die inzwischen 49-jährige Witwe des Startenors, kümmert sich vollamtlich um seinen Nachruhm. Heute auch in Zürich.

Nicoletta Mantovani hat den Dokfilm «Pavarotti» schon in den USA, in Ungarn, Israel und Australien vorgestellt. Nun kommt sie ans Zurich Film Festival. Foto: Janos Vajda (EPA, Keystone)

Nicoletta Mantovani hat den Dokfilm «Pavarotti» schon in den USA, in Ungarn, Israel und Australien vorgestellt. Nun kommt sie ans Zurich Film Festival. Foto: Janos Vajda (EPA, Keystone)

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Das Erste, was die Öffentlichkeit von Nicoletta Mantovani zu sehen bekam, waren Paparazzi-Fotos, die sie beim Baden und Küssen mit Luciano Pavarotti zeigten. 1996 war das, Mantovani war 26 Jahre alt, Pavarotti 60 und verheiratet – ein Skandal. Selbst der Papst sagte danach ein Treffen mit dem Startenor ab.

Aber die Beziehung hielt, und heute, 12 Jahre nach Pavarottis Tod, ist seine inzwischen 49-jährige Witwe vollamtlich damit beschäftigt, die Erinnerung an ihn wachzuhalten. Ihr gemeinsames Haus in Modena wurde zum Museum, eine Stiftung kümmert sich in seinem Sinne um den Sängernachwuchs, und nun kommt ein Dokfilm über Pavarotti in die Kinos. «Es läuft gut», sagt Nicoletta Mantovani am Telefon.

Nicoletta Mantovani war 23 Jahre alt, als sie sich mit dem 34 Jahre älteren Tenorissimo Luciano Pavarotti zusammentat. Bild: Pathé Films

Kennen gelernt hatten sich die beiden in einem Reitstall, wo sich die damals 23-jährige Studentin aus Bologna für einen Ferienjob bewarb beim Springwettbewerb, den der Tenorissimo veranstaltete. Von Oper hatte sie keine Ahnung, sie hörte U2 und Vasco Rossi. Aber natürlich kannte sie Pavarotti – und war «enorm verlegen», als sie ihm gegenüberstand. Man verstand sich dennoch auf Anhieb, danach tauchte er ständig in ihrem Büro auf: «Es ging alles ziemlich schnell.»

Nicht immer geradeaus allerdings. Das Paar kannte sich erst ein paar Monate, als bei Nicoletta Mantovani multiple Sklerose diagnostiziert wurde. Sie, die viel Jüngere, war plötzlich krank, die Medienwelt hatte einmal mehr ihre Schlagzeilen – und Mantovani einen weiteren Grund, zu kämpfen.

Sie tat es bald auch künstlerisch, beim Crossover-Projekt «Pavarotti & Friends», das sie viel zu bieder fand. Ein Duett von Pavarotti mit dem U2-Frontmann Bono wünschte sie sich, und sie gab nicht auf, bis sie es bekam. Das war ihr Einstand im Organisationsteam des Events, den sie ab dann mitprägte: hartnäckig, ehrgeizig. Und mit einer Gelassenheit, die ihr trotz teilweiser harscher Kritik nie abhanden kam: «Das gehört dazu, wenn man etwas ausprobiert,» sagt sie, «manches gelingt, anderes weniger.»

«Luciano Pavarotti hatte keine Barrieren, weder musikalisch noch gegenüber Menschen.»Nicoletta Mantovani

2003 brachte sie Zwillinge auf die Welt; der Sohn starb, die Tochter Alice ist heute 16 Jahre alt. Danach wurde Hochzeit gefeiert, im Opernhaus von Modena. Und man reiste weiter, von Auftritt zu Benefizanlass zu Auftritt: «Während der 14 gemeinsamen Jahre haben wir alle paar Tage den Staat oder zumindest die Stadt gewechselt», sagt Nicoletta Mantovani. Sie zitiert dann Bono, der einmal gesagt hat, Pavarotti sei «mehr Punk als wir alle». Sie sieht es gleich: «Er hatte keine Barrieren, weder musikalisch noch gegenüber Menschen.» Frei sei er gewesen, neugierig auf alles, bis zuletzt: «Er ist lebendig gestorben.»

Für sie ging das Leben weiter danach. Sie zog zurück nach Bologna, verliebte sich neu, entliebte sich wieder, suchte neue Herausforderungen als Filmproduzentin. Aber sie ist immer noch in erster Linie Pavarottis Witwe, gerade jetzt wieder, wo der Film herauskommt. In den USA hat sie ihn schon vorgestellt, in Ungarn, Israel, Australien, heute ist sie nun beim Zurich Film Festival – und nein, das sei nicht anstrengend: «Es ist schön, zu erleben, mit wie viel Zuneigung sich die Menschen in jedem Winkel der Welt an Luciano erinnern.»

Nicoletta Mantovani präsentiert den Dokfilm «Pavarotti» heute Montag, 20.45 Uhr, im Kino Corso 1.

Erstellt: 30.09.2019, 10:15 Uhr

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