Pereiras Irrlauf

Die Mailänder Scala bandelt unter Intendant Alexander Pereira mit Saudiarabien an. Die Empörung ist gross und berechtigt.

Der Scala-Intendant Alexander Pereira wird von zahlreichen italienischen Politikern heftig kritisiert.

Der Scala-Intendant Alexander Pereira wird von zahlreichen italienischen Politikern heftig kritisiert. Bild: Keystone

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Ein Opernhaus ist teuer, und die Jagd nach Sponsoren deshalb eine Kunst, ohne die kein Intendant lange überlebt. Niemand beherrscht sie besser als Alexander Pereira: Das hat er in Zürich gezeigt, das zeigt er seit 2014 auch an der Mailänder Scala.

Aber nun ist er zu weit gegangen – das finden jedenfalls zahlreiche italienische Politiker, die ihn harsch kritisieren und den italienischen Kulturminister Alberto Bonisoli auffordern, einzuschreiten. Der Grund: Pereira will den saudiarabischen Kulturminister Prinz Badr bin Farhan al-Saud in den Aufsichtsrat der Scala holen; dieser soll das Haus im Gegenzug in den nächsten fünf Jahren mit insgesamt 15 Millionen Euro unterstützen.

In einem Interview mit der Zeitung «La Repubblica» rechtfertigt sich Pereira: Es sei ja zunächst nur um einen kulturellen Austausch gegangen; die Idee, Aufführungen in Riad zu zeigen und sich dort beim Aufbau eines Konservatoriums zu beteiligen, sei ihm sinnvoll erschienen. Er wisse zwar um die «despotische» Natur des saudiarabischen Regimes, und den Fall des ermordeten Journalisten Khashoggi habe er «mit Bestürzung» verfolgt. Aber er sei überzeugt von der «positiven Kraft der Musik». Und überhaupt: Wenn die Scala das Geld nicht nehme, dann werde Prinz Badr in Frankreich investieren, «dort wartet man nur darauf».

Da gerät nun allerdings einiges durcheinander. Niemand wird etwas gegen die Unterstützung von kulturellen Projekten in Saudiarabien einwenden. Und was das Geld angeht: Auch andere Opernhäuser (und Museen, und Fussballvereine erst recht) müssen sich die Nase gut zuhalten, wenn sie Beiträge von Grosskonzernen oder Banken annehmen, die in zweifelhafte Geschäfte verstrickt sind.

Schon das ist unschön. Aber wirklich inakzeptabel wird es, wenn ein Vertreter eines offen gegen die Menschenrechte verstossenden Staates in den Aufsichtsrat eines Opernhauses aufgenommen wird. Denn da geht es nicht mehr um Kultur; sondern darum, einer repressiven Regierung zur Salonfähigkeit zu verhelfen.

Warum will denn Saudiarabien bei der Scala einsteigen? Sicher nicht, um den Frauen im Publikum den Schleier vorzuschreiben, wie es die Berlusconi-Verbündete Daniela Santanché befürchtet. Sondern um sich auf kulturellem Umweg eine Legitimation zu verschaffen, die politisch nicht zu haben ist. Für nur 15 Millionen: ein Schnäppchen.

Eine solche Chance könne man sich nicht entgehen lassen, sagt Pereira. Doch, man kann. Man muss sogar.

Erstellt: 06.03.2019, 16:16 Uhr

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