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Schmuggel unterm Sherry-Stier

Das Theater Basel hat am Sonntag Georges Bizets Oper «Carmen» zur Premiere gebracht. Zu erleben war eine weitgehend überzeugende Aufführung.

Carmen ist weder Dämon noch Sex-Ikone: Eine Szene aus der Oper.
Carmen ist weder Dämon noch Sex-Ikone: Eine Szene aus der Oper.
Theaterbasel.ch

Mit lebhaftem Applaus feierte das Publikum die Premiere von Georges Bizets Oper «Carmen» im Theater Basel. Der Jubel galt allen Beteiligten, besonders dem Dirigenten Gabriel Feltz und dem Regisseur Calixto Bieito.

Der Katalane hat das Stück 1999 im spanischen Peralada inszeniert und diese Aufführung seither an verschiedenen Orten gezeigt. Die Basler Wiederaufnahme konnte allerdings nur teilweise überzeugen. Sie benützt, wie heute üblich, die Originalfassung der Oper mit Dialogen statt der nach Bizets Tod eingefügten Rezitative. Bieito hat die Sprechpartien allerdings radikal gekürzt und konzentriert sich ganz auf die Musik.

Der Bühnenbildner Alfons Flores hat ihm einen einfachen Bühnenkasten gebaut, der die Konzentration auf die Figuren der Oper lenkt. Bühnenelemente und Requisiten siedeln das Geschehen im heutigen Spanien an.

Konzentrierte Regie

So spielt der dritte Akt auf einem nächtlichen Parkplatz neben einer jener an spanischen Autobahnen allgegenwärtigen übergrossen Stiersilhouetten, die für eine Sherry-Marke werben. Hier fahren die Schmugglerbanden in alten Limousinen vor und schlagen ihre Hehlerware, vorwiegend Elektro-Markenartikel, um.

Das ist das spektakulärste Bild einer Inszenierung, die sich sonst vor allem auf die Hauptfiguren konzentriert und ihnen klares Profil gibt. Micaëla, die in vielen Aufführungen blass bleibt, ist hier ein zupackendes Mädchen von heute, das verzweifelt um Josés Zuneigung ringt und entschlossen den Kampf mit Carmen aufnimmt. Svetlana Ignatovich gestaltete sie mit sauber geführtem, jugendlich leuchtendem Sopran.

Die Entwicklung Don Josés führt Will Hartmann eindrücklich vor. Der spröde Soldat, der mit Frauen nichts zu tun haben will, entwickelt sich zum eifersüchtigen, gewalttätigen Liebhaber und endet als gebrochener Mann. Hartmann gestaltet die Partie mit kraftvollem, höhensicherem, aber oft eng klingendem Tenor.

Sex-fixierte Machos

Carmen ist weder Dämon noch Sex-Ikone, sondern eine Frau, die sich in der Sex-fixierten Macho-Gesellschaft, die Bieito drastisch zeigt, die Freiheit nimmt, über sich selbst zu bestimmen, aber auch gelernt hat, ihren Körper zu ihrem Vorteil einzusetzen. Die Altistin Tanja Ariane Baumgartner singt sie geschmeidig, ohne aufgesetzte Effekte, mit leuchtenden Höhen und fülliger Tiefe.

In den weiteren Partien ist ein ausgezeichnetes Ensemble ohne Schwachstellen zu hören. In der Feinarbeit mit den Protagonisten liegt die Stärke der Inszenierung. Den Chor führt Bieito eher pauschal. Die Raufereien des ersten Akts sind nicht wirklich durchchoreographiert; die Zeichnung der permanent notgeilen Soldaten ist aufdringlich plakativ.

Im Graben schlägt Feltz rasche Tempi an und musiziert mit dem hervorragend spielenden Sinfonieorchester Basel plastisch und ausdrucksstark. Der Theaterchor und die Kinder der Knaben- und Mädchenkantorei Basel singen klangvoll und präzis.

Alfred Ziltener/sda

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