Sie meint, was sie spielt

Mit der Geigerin Janine Jansen kann man selbst Hits neu entdecken. Derzeit in der Tonhalle Maag.

Janine Jansen spielt, als würde sie selbst staunen über die Entwicklungen in Brahms' Musik. Foto: Getty Images

Janine Jansen spielt, als würde sie selbst staunen über die Entwicklungen in Brahms' Musik. Foto: Getty Images

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Wer mit der Geige auf den grossen Podien unterwegs ist, kommt um Brahms’ Violinkonzert nicht herum. Und auch nicht um die Frage, wie er oder sie sich nun verhalten soll gegenüber diesem Repertoire-Hit: Gegen den Strich bürsten? Oder sich möglichst lupenrein in die Aufführungstradition einpassen?

Dass es noch eine dritte Möglichkeit gibt, führt nun die niederländische Violinistin Janine Jansen in der Tonhalle Maag vor – zum Abschluss der Tonhalle-Saison, während der sie als Artist in Residence mit ganz unterschiedlichen Werken aufgetreten war. Sie hat das Brahms-Konzert zwar schon oft gespielt, auch bei der letzten Tonhalle-Aufführung 2015. Aber sie interpretiert es immer noch, als sei es eben erst geschrieben worden: unbelastet von Klischees, ohne jeden Originalitätsdruck, ohne persönliches Patentrezept. Als würde sie selbst staunen über die Entwicklungen dieser Musik.

Präsent in jedem Ton

Jansen meint, was sie spielt. In jedem einzelnen Ton wirkt sie präsent, ohne dass sie sich als Interpretin vor den Komponisten schieben würde. Es geht nicht um sie, sondern um die Musik, die sie mit mal gläsernem, mal glühendem Klang gestaltet. Wer wegen Brahms nicht ins Konzert gehen würde: wegen Jansen lohnt es sich dennoch.

Und auch wegen Herbert Blomstedt, dem jüngsten 91-Jährigen, der je auf einem Dirigentenpodium stand. Vergnügt wirkt er, wenn er mit dem Tonhalle-Orchester musiziert, das er seit 1982 kennt – wobei damals noch nicht einmal der Solobratscher Michel Rouilly dabei war, der nun nach 36 Tonhalle-Jahren in Pension geht. Blomstedt überreichte ihm am Ende seinen Blumenstrauss: eine nette Geste eines freundlichen Menschen, für den die Musikerinnen und Musiker alles geben.

Im Andante hätte man die Zeit anhalten wollen, um den Bläsern noch länger zuzuhören.

In Brahms’ Violinkonzert war das vor allem eine kammermusikalische und durchaus risikofreudige Bereitschaft zum Dialog. In Brahms’ 3. Sinfonie dagegen eine saftige, farbige Klanglichkeit. Im Andante hätte man die Zeit anhalten wollen, um den Bläsern noch länger zuzuhören. Und im Finale liess man sich mitreissen in den musikalischen Strudel, den Blomstedt gleichzeitig antrieb und bändigte.

Im Dezember wird er wieder in die Tonhalle Maag kommen, dann als 92-Jähriger, für Bruckners 4. Sinfonie. Karten können bereits jetzt gebucht werden.

Wiederholung des Programms heute Donnerstag und morgen Freitag, 19.30 Uhr, in der Tonhalle Maag.

Erstellt: 27.06.2019, 16:49 Uhr

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