«Sinfonie heisst ‹ohne Handy›»

Die Tonhalle lässt erst Hazel Brugger, dann das Orchester auf die Bühne. Eine neue Kombination, die das Publikum erweitern soll.

Beschreibt das neue Konzertformat des Tonhalle-Orchesters Zürich in bester Slam-Poetry-Manier: Hazel Brugger. (Quelle: Youtube / Tonhalle-Orchester Zürich TOZ)


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In der Tonhalle fand gestern das erste Konzert des neuen Formats TOZintermezzo statt – eine Kurzkonzertreihe mit Hazel Brugger. Klassik und Poetry-Slam? Jawohl, ein Versuch der Tonhalle (wie Tonhallelate.ch), ihr Publikum zu erweitern.

Schon im Vorfeld verrät Slam-Poetin Brugger in einem Youtube-Video, dass sich die Konzertreihe an Leute richtet, die eigentlich schon immer mal gerne in die Tonhalle gehen wollten, aber «immer Angscht gha händ, wil detä ageblich nur so gliich agläiti, usägschläckti Figurä umälaufed, und gliich agläiti, usägschläckti Lüüt uf dä Büüni öppis vorspiled, wo scho uralt isch». Damit dürfte es wohl auch für den letzten Klassik-Interessierten keine Hemmschwelle mehr geben, sich unter das ausgeputzte Publikum zu mischen und ein Klassik-Konzert zu besuchen.

45 Minuten für 45 Franken

Die kluge, kurze, komische Einführung von Brugger lockerte gestern dann auch die Novizen auf, die ein wenig verloren und erstaunt die imposanten Räumlichkeiten betrachteten. «Sinfonie isch Latinisch und Italienisch für ‹ohne Handy›, also bitt ich Sie, d Handys uf luutlos z schalte», meint Brugger. Das Publikum – nicht auffallend jung – lacht und ist gespannt auf das Konzert. Auf dem Programm: Tschaikowskys Sinfonie Nr. 5 unter der Leitung von Chefdirigent Lionel Bringuier.

Das kurze Konzert (45 Minuten für 45 Franken – «Eine Minute für einen Franken: Immerhin viereinhalbmal billiger als ein intimes, zukunftsweisendes Telefonat mit Mike Shiva», wie Brugger betont) ist spannend, unterhaltsam und – zugänglich für Klassik-Neulinge, die den nicht ausverkauften Saal dominieren. So klatscht das Publikum auch nicht selten im falschen Moment und grölt ein, zwei euphorische «Wow!» durch den Raum, als wäre es ein Popkonzert. Die Kombination von Klassik und Dichtkunst bietet manch einem die Gelegenheit, die Klassik erstmals für sich zu entdecken, auch wenn Brugger und Orchester weiterhin kontrastreich bleiben, in der Tonhalle nicht verschmelzen, aber an diesem Abend eine angemessene Symbiose bilden.

Erstellt: 11.12.2015, 13:42 Uhr

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