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«Wagner gab den Ausschlag»

Der Italiener Gianandrea Noseda wird 2021 Generalmusikdirektor am Zürcher Opernhaus – als Nachfolger von Fabio Luisi.

Gianandrea Noseda hat in der Vergangenheit oft mit Anna Netrebko zusammengearbeitet.
Gianandrea Noseda hat in der Vergangenheit oft mit Anna Netrebko zusammengearbeitet.
Steve J. Sherman

Was reizt Sie an Zürich?

Den Ausschlag gab die Aussicht, dass ich hier Wagners «Ring des Nibelungen» dirigieren kann. Dieses Werk in einem Haus im deutschsprachigen Gebiet aufzuführen – das ist für mich als Italiener ein grosses Vergnügen und ein Grund, stolz zu sein. Ich habe ja in Turin schon den «Tristan» gemacht. Aber der «Ring» wird neu sein für mich.

Sie haben bisher zwei Werke in Zürich dirigiert – die Neuproduktion von Prokofjews «Der feurige Engel» und eine Wiederaufnahme von Verdis «Macbeth». Wie schätzen Sie die Philharmonia ein?

Es ist ein sehr flexibles Orchester. Prokofjew klang anders als Verdi; das ist sehr wichtig für mich, dass man sich den verschiedenen Stilen anpassen kann. Es ist auch ein ausgesprochen professionelles Orchester. Da kann man vieles aufbauen und vertiefen.

Was denn? Die letzten musikalischen Chefs am Opernhaus hatten sehr unterschiedliche Vorlieben, was den Klang angeht.

Es kommt immer aufs Repertoire an. Gewisse Werke brauchen mehr Transparenz, andere mehr Dichte. Es ist wie beim Rotwein: Amarone schmeckt ganz anders als Pinot noir. Aber beides sind gute Weine.

Was wird in Zürich anders mit Ihnen als Generalmusikdirektor?

Das ist schwierig zu sagen im Voraus. Ich bin überzeugt, dass Fabio Luisi eine sehr gute Arbeit macht – das habe ich ja gemerkt, als ich hier dirigiert habe. Es geht darum, diese Arbeit fortzusetzen, aber eben mit meiner Persönlichkeit, meinen Ideen.

Und mit Ihren Freunden? Sie arbeiten schon lange mit Anna Netrebko zusammen – wird Sie künftig häufiger in Zürich singen?

Da müssen Sie sie selber fragen! Mein Zürcher Engagement wurde erst heute offiziell bekannt gegeben, bis jetzt habe ich also noch nicht mit anderen darüber gesprochen. Aber klar, es ist immer schön, mit Leuten zu arbeiten, die man gut kennt: Anna Netrebko, Ildar Abdrazakov, Carlos Alvarez – mit diesen Sängern bin ich sozusagen gross geworden. Es liegt nahe, dass man sich dann als Erstes an sie wendet, wenn man irgendwo anfängt.

Wie verläuft nun die Zeit bis 2021? Werden Sie gelegentlich schon in Zürich auftauchen?

Wir diskutieren darüber. Ich würde gern schon Kontakt aufnehmen mit dem Orchester – aber ich habe leider keine längeren Phasen frei. Für eine Oper wird es nicht reichen, weder für eine Neuproduktion noch für eine Wiederaufnahme. Aber vielleicht für ein, zwei Konzerte.

Ihr Vertrag läuft bis 2025, genau wie der verlängerte Vertrag des Intendanten Andreas Homoki. Er wird Zürich dann vermutlich verlassen – und Sie?

Man kann nicht wissen, was die Zukunft bringt. Wenn man ein neues Abenteuer anfängt, tut man das mit grossem Enthusiasmus, mit viel Lust, etwas aufzubauen. Was sich dann daraus entwickelt, wird sich zeigen.

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