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William Forsythe: Er bringt die Unvorhersehbarkeit in den Tanz

Andere hätten sich an einer Gala feiern lassen, er arbeitete: Am 30. Dezember 2019, seinem 70. Geburtstag, probte William Forsythe im Ballettsaal des Zürcher Opernhauses die drei Stücke, die ihm zu Ehren wieder einstudiert wurden. Der unermüdliche Choreograf musste mit einem Geburtstagskuchen zum Arbeitsende fast gezwungen werden.

Sein Einfluss auf die Reprisen seiner Stücke ist gross, nicht zuletzt, weil Forsythes Werke so individuell auf die Tänzerinnen und Tänzer zugeschnitten sind, dass sie zum Teil gar nicht mit anderen rekonstruiert werden können. Ein weiteres Merkmal seiner wegweisenden Arbeiten ist, dass sie nicht nur das Publikum, sondern auch die Tänzer und Tänzerinnen konstant überraschen. William Forsythe gilt auch deshalb als grosser Erneuerer des Balletts, weil er die Unvorhersehbarkeit in den Tanz brachte.

Klassische Choreografien bestehen aus festgelegten Abfolgen; bei Forsythe sah phasenweise keine Aufführung so aus wie die andere. Es ging so weit, dass er von Vorstellung zu Vorstellung wechselnde Anweisungen in die Kulissen hängte, an denen sich die Tänzer zu orientieren hatten. Das sei allerdings nur möglich gewesen, betont er, weil seine Kompanie zu jeder Zeit das ganze Bewegungsvokabular präsent hatte, das während der Proben erarbeitet worden war.

Oft im Kino

Mit Zürich ist Forsythe eng verbunden. Nicht nur, weil er in seiner Stuttgarter Zeit oft hierherkam, um im Kino Filme in Originalversion zu sehen, wie er vor drei Jahren in einem Interview verriet, sondern auch, weil seine frühere Frau Eileen Brady am Opernhaus als Solistin auftrat und mit den Kindern hier lebte. Zusammen mit Brady war der Amerikaner 1973 nach Europa gekommen. Als Tänzer und Hauschoreograf am Stuttgarter Ballett schuf er ab 1976 seine ersten international erfolgreichen Stücke. Weltberühmt wurde er aber als Direktor des Frankfurter Balletts (1984–2004), mit dem er den klassischen Tanz in alle Richtungen weiterentwickelte.

2004 kündigte er wegen drastischer Budgetkürzungen seinen Direktorenposten in Frankfurt und leitete dann zehn Jahre lang die kleinere und noch experimenteller arbeitende Forsythe Company, deren Arbeiten auch im Zürcher Schiffbau zu sehen waren.

Später entwickelte Forsythe Installationen, die sich gänzlich dem Bühnentanz entzogen. So hängte er beispielsweise Ringe in einen Raum und forderte das Publikum dazu auf, diesen zu durchqueren, ohne den Boden zu berühren – und so Teil des «Choreographic Object» zu werden. Seit einigen Jahren lebt er wieder in den USA und lehrt an verschiedenen Universitäten.

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