Köppel

Es gibt Fangwörter, die uns zum Lesen eines Textes zwingen. Auch wenn wir gar nichts darin erfahren.

Köppel ist überall. Auch in unserem Glossentitel.

Köppel ist überall. Auch in unserem Glossentitel. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wetten, dass Sie diesen Text lesen werden? Sie können gar nicht anders, bei diesem Titel. Auch wenn ausser dem Namen, ausser diesem Namen, nichts weiter angekündigt wird. Was er sagt, was er will, was er angestellt hat. Köppel reicht.

Sex sells, weiss die Werbung; Titel, in denen das Wort «Sex» vorkommt, verkaufen sich auch, weiss das Journalismus-Marketing. Wer seine Leser in seinen Text hineinzwingen will, braucht solche Fangwörter. Es gibt wenig Namen, die allein einen solchen unwiderstehlichen Zwang ausüben, wenige auch, die das gesamte Publikum erreichen und nicht bloss Teilmengen, etwa die Popfans oder die Sportinteressierten. Obwohl: «Federer» geht über Letztere hinaus, ist eine allgemeingültige Wortfalle. «Blocher» ist längst keine mehr – sic transit gloria mundi. Auch «Trump» leidet, durch Überbeanspruchung, an Abnutzungserscheinungen.

Seit der Journalismus noch schneller geworden ist, ploppen auch immer mehr Aufreger auf, die alsbald wieder in sich zusammenfallen. Erst will man alles über sie erfahren – und dann gar nichts mehr.

Die Halbwertszeit als Wortfalle ist kurz. Loredana war so eine Titel-Eintagsfliege. Geri Müller – wer war das noch? Und Spiess-Rickli? Nee, die hiess doch irgendwie anders. Nur Köppel: Der funktioniert seit einigen Jahren zuverlässig, woran er durch Dauerselbstmarketing keinen geringen Anteil hat.

So lesen Sie auch weiterhin jeden Artikel, der mit Köppel titelt, auch wenn Sie danach gar nichts über Köppel erfahren. So wie hier.

Erstellt: 11.07.2019, 11:39 Uhr

Collection

Freistil

Artikel zum Thema

Humorvoller Abschied

Glosse Todesanzeigen zeugen von unglaublich viel Witz und Geist in der Schweiz. Mehr...

Lauf, Lokführer, lauf

Glosse Die SBB kämpfen wieder mit Verspätungen und Ausfällen. Schuld sind sicher nicht die Leute vorne im Führerstand. Die sind topfit. Mehr...

Können diese Augen lügen?

Glosse Unsere besten Freunde haben uns über Jahrtausende betrogen. Mehr...

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Eine Leine, sie zu knechten ...

Glosse Smartphones werden seit neuestem um den Hals getragen, wobei nicht immer klar ist, wer hier wen an der Leine hat. Mehr...

Kleine Blumen- und Pilzbeschimpfung

Glosse Ein fiktiver Monolog, Peter Handke zugeeignet. Mehr...

Und der Sabbermolch?

Glosse Wer bei Japan Airlines bucht, bekommt angezeigt, auf welchen Plätzen lärmige Babys sitzen. Praktisch – wären da nicht alle anderen Passagiere. Mehr...