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Kulturschaffende fordern Einrichtung eines Corona-Fonds

Freie Theaterschaffende, weniger bekannte Autorinnen, kleine und kaum subventionierte Bühnen haben klamme Budgets. Abgesagte Vorstellungen werden da zur Existenzfrage.

Im Theater Basel bleiben die Stühle bis auf weiteres leer. Foto: Keystone
Im Theater Basel bleiben die Stühle bis auf weiteres leer. Foto: Keystone

Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern sind wegen des Coronavirus verboten. Darüber hinaus gibt es noch keine fixen einheitlichen Regelungen; die Bewilligungspflicht bei über 150 Besuchern, vom Bund empfohlen, gilt beispielsweise im Moment im Kanton Zürich derzeit nicht – weshalb etwa das Schauspielhaus Zürich im Moment selbst an den grossen Aufführungen im Pfauen festhält. Man wolle den Theateralltag und die Normalität möglichst hochhalten, sagt Pressesprecherin Philine Erni. In Basel hat man dagegen alle Aufführungen des Theaters abgesagt. Die Uneinheitlichkeit führt zu Verunsicherung bei Veranstaltern und Künstlern.

So spielt das in Suhr domizilierte Theater Marie aktuell im Theater Tuchlaube in Aarau (120 Plätze), während die Gruppe in Chur, aufgrund der strengeren Vorschriften, ausgeladen wurde. Patric Bachmann, Dramaturg und Mitglied des Leitungsteams von Theater Marie, erläutert: «In unserem Vertrag mit dem Theater Chur gibt es den Passus zu ‹höherer Gewalt›. Die Schauspielerinnen und Schauspieler bei uns haben den gleichen Passus. Aber wir müssen schauen, was hier eine gangbare Lösung ist.» Wenn zwei Vorstellungen ausfallen, ist das fürs Theater Marie nicht existenzbedrohend. Würden sich die Ausfälle aber häufen, müsse man ernsthaft über die Bücher. Und für einen einzelnen freien Schauspieler kann die Absage mehrerer Vorstellungen tatsächlich eine finanzielle Notlage nach sich ziehen.

«Für Künstlerinnen und Künstler sind Gagenausfälle folgenschwer.»

Sandra Künzi, Präsidentin t. Theaterschaffende Schweiz

Ähnlich argumentiert der Berufsverband ‹t. Theaterschaffende Schweiz›, der die Interessen von rund 1750 Akteuren aus der freien Szene vertritt, die Corona-Absagen erhalten haben, unter anderem das Komikerduo Lapsus. Gerade in der freien Szene seien die Budgets von Veranstaltenden und Produzierenden knapp, heisst es in der Pressemitteilung. «Veranstaltungsausfälle – auch nur für zwei Wochen – fallen bereits stark ins Gewicht. Für Künstlerinnen und Künstler sind Gagenausfälle folgenschwer. Sie sind oftmals freischaffend tätig, besitzen meist wenig finanziellen Spielraum. Abgesagte Veranstaltungen bedeuten auch für die Personen abseits des Rampenlichts, die für Technik, Bühnenbild oder Kostümbild verantwortlich sind, grosse Einbussen.»

Am Gastspielhaus in Chur sind sämtliche Vorstellungen abgesagt: ein Problem für kleine Schweizer Gruppen. Foto: Keystone
Am Gastspielhaus in Chur sind sämtliche Vorstellungen abgesagt: ein Problem für kleine Schweizer Gruppen. Foto: Keystone

Sandra Künzi, Präsidentin ‹t. Theaterschaffende Schweiz›, kritisiert im Gespräch die uneinheitlichen Regelungen scharf und verweist zudem auf die unklare rechtliche Lage, gerade dann, wenn «höhere Gewalt» nicht im Vertrag vorkommt. Künzi erinnert ausserdem an die nicht direkt messbaren Verluste: Wird etwa eine Lesung abgesagt, gibts auch weniger Buchverkäufe. Kann eine Person nicht auftreten, leidet auch ihre Sichtbarkeit am Markt, was gerade für weniger bekannte Gesichter ein Problem ist. Dabei sei es aber völlig verkehrt, jetzt die Veranstalter gegen die Schauspieler, Autoren, Musiker auszuspielen oder umgekehrt. Beide Parteien seien wesentliche Träger des Schweizer Kulturlebens, und der Bund müsse auch ihnen gegenüber Verantwortungsbewusstsein zeigen.

Der Berufsverband t. unterstützt deshalb die Petition von Gewerkschafter Christophe Gremaud. Er engagiert sich aus privaten Gründen, weil er aus nächster Nähe erlebt hat, wie ein Sänger für drei Monate Arbeit wegen einer Corona-Absage am Schluss keinen Rappen erhielt. In der am Freitagabend aufgeschalteten Petition heisst es: «Die Kultur bringt und verdient in diesem Land mehr als die Industrie, aber die Arbeitsplätze im Kulturbereich sind sehr prekär; und 15 Tage ohne Verdienst, ohne arbeiten zu können – das ist horrend!» Darum fordern die Unterzeichner der Petition – es sind bis jetzt rund 4500 –, dass der Bund einen Entschädigungsfonds für die betroffenen Showprofis auf und hinter der Bühne einrichtet.

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