Alle wollen den Renoir

Am Anfang stand eine Geschichte wie aus dem Märchen: Eine Frau kauft auf einem Flohmarkt in den USA einen echten Renoir und zahlt dafür gerade mal sieben Dollar. Doch dann kam alles anders.

Heiss umkämpft: Das Gemälde «Paysage bords de Seine» von Renoir.

Heiss umkämpft: Das Gemälde «Paysage bords de Seine» von Renoir. Bild: Keystone

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Am Anfang stand eine geradezu fantastische Geschichte: Eine Frau kauft auf einem Flohmarkt in den USA einen echten Renoir für sieben Dollar, der in Wirklichkeit 75'000 Dollar wert ist. Doch dann wurde die einfache Geschichte kompliziert, und nun streiten sich so viele Beteiligten um das Gemälde «Paysage bords de Seine» des französischen Impressionisten, dass eine Richterin das Knäuel entwirren muss.

Anspruch auf das Kunstwerk erhebt nicht nur die Frau, die das 1879 auf eine Leinenservierte gemalte Bild 2009 auf dem Flohmarkt gekauft und anschliessend zwei Jahre in einer Mülltüte verwahrt haben will - bevor sie Gelegenheit fand, seine Echtheit zu verifizieren. Mit im Spiel ist auch der Versicherer Fireman's Fund. Denn als die neue Besitzerin ihren Renoir vergangenes Jahr versteigern lassen wollte, kam heraus, dass das Kunstmuseum in Baltimore das Werk 1951 als gestohlen gemeldet hatte. Der Versicherer hatte damals 2500 Dollar Entschädigung gezahlt und findet nun, das Bild gehöre ihm.

Ein offizieller Schätzer setzt den Preis mit 22'000 Dollar deutlich niedriger an als das Auktionshaus, das von 75'000 ausging. Renoir sei bei Kunstsammlern nicht mehr en vogue, weil zu altmodisch, hiess es zu Begründung. Zudem mindere das Hickhack um den rechtmässigen Besitz des Bildes dessen Wert für Sammler.

FBI beschlagnahmt Bild

Inzwischen hat das FBI das Bild beschlagnahmt und die Besitzerin befragt. Die hat unter Eid versichert, sie habe nach dem Kauf auf dem Flohmarkt nie geglaubt, dass es sich um einen echten Renoir handele, selbst wenn dessen Name auf dem Rahmen stand. «Weil ich keine Kunsthistorikerin, keine Sammlerin, Schätzerin oder Händlerin bin, fehlte mir die Expertise, die Echtheit, die Vorgeschichte und die Geschichte der Besitzer des Renoir-Bilds zu erkennen», versicherte sie.

Die «Washington Post» berichtete allerdings, dass die Mutter der angeblich Ahnungslosen jahrzehntelang eine Kunstschule in der Nähe von Washington betrieben habe. Und sie sei auf das Abmalen von Renoir und anderen Meistern spezialisiert gewesen, nachdem sie 1952 - ein Jahr nach dem Diebstahl des Gemäldes - eine Kunsthochschule abgeschlossen hatte.

Ein Mann, der als Bruder der glücklichen Flohmarkt-Käuferin auftrat, sagte der Zeitung, das Bild sei schon seit 50 oder 60 Jahren im Familienbesitz und «ich weiss, dass meine Schwester es nicht einfach auf einem Flohmarkt gekauft hat». Später zog der Mann die Geschichte allerdings zurück und gab zu, gar nicht der zu sein, für den er sich ausgab.

Licht ins Dunkel zu bringen, ist derzeit schwer - die Besitzerin und ihr Bruder waren zunächst nicht zu erreichen, und ihr Anwalt rief am Freitag ebenfalls nicht zurück. Das FBI erklärte lediglich, es handele sich um ein laufendes Verfahren. Die dazu berufene Bundesrichterin Leonie Brinkema hat jetzt erst einmal Beteiligten aufgefordert, ihre Ansprüche schriftlich zu erläutern.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.04.2013, 12:06 Uhr

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