Auflösung von Gurlitts Wohnung bringt weitere Werke ans Licht

Beamte haben in der Wohnung von Cornelius Gurlitt weitere Werke gefunden. Möglicherweise wurden die Kunstwerke erst nach der Razzia vor zwei Jahren in die Wohnung gebracht.

Denkbar ist, dass die gefundenen Kunstwerke von Gurlitts österreichischem Haus in seine Münchner Wohnung gebracht wurden: Das Namensschild von Cornelius Gurlitt an seinem Haus in Salzburg. (Archivbild: dpa)

Denkbar ist, dass die gefundenen Kunstwerke von Gurlitts österreichischem Haus in seine Münchner Wohnung gebracht wurden: Das Namensschild von Cornelius Gurlitt an seinem Haus in Salzburg. (Archivbild: dpa)

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Bei der Auflösung von Cornelius Gurlitts Schwabinger Wohnung sind weitere Kunstwerke gefunden worden. Knapp drei Monate nach dem Tod des Münchner Kunstsammlers stiessen Beamte auf bislang nicht bekannte Kunstwerke - darunter zwei Skulpturen, die von Edgar Degas und Auguste Rodin stammen könnten.

Das teilte die Taskforce Schwabinger Kunstfund in Berlin mit. Die Werke, die damals nicht von der Staatsanwaltschaft Augsburg beschlagnahmt wurden, sollen jetzt von Experten begutachtet werden. Ausserdem will die Taskforce sie in die Online-Plattform Lostart einstellen.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft betonte, dass die neu entdeckten Werke bei der Razzia Anfang 2012 nicht in der Münchner Wohnung gewesen seien. Gurlitt hatte bei Salzburg zudem ein Wohnhaus. Denkbar ist, dass die Kunstwerke erst nach der Durchsuchung von Österreich nach Bayern gebracht wurden.

Bilder werden überprüft

Die Kunstwerke waren nach Taskforce-Angaben zunächst dem Amtsgericht München als zuständigem Nachlassgericht übergeben worden. Das Gericht habe sich dann an die Taskforce gewandt, um auch die «kleine Anzahl weiterer Kunstwerke», bei denen es sich um ein Bild und ansonsten um Plastiken handelt, auf ihre Herkunft zu überprüfen.

«Wir bedanken uns für das grosse Vertrauen, dass uns durch die Überlassung dieser weiteren Kunstwerke entgegengebracht wird», sagte Taskforce-Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel. «Diesem Vertrauen, das uns in unseren bisherigen Arbeiten bestärkt, wollen wir im Interesse der Opfer des NS-Kunstraubes wie auch der Erben von Cornelius Gurlitt durch weiterhin sorgfältige Recherchearbeiten und eine transparente Darstellung des neuen Fundes gerecht werden.»

Sohn von Hitlers Kunsthändler

Die Staatsanwaltschaft hatte insgesamt 1280 Kunstwerke am 28. Februar 2012 wegen des Verdachts auf ein Steuer- und Vermögensdelikt in Gurlitts Münchner Wohnung beschlagnahmt und danach unter Verschluss gehalten. Hunderte Werke stehen nach Auffassung der Taskforce «Schwabinger Kunstfund» im Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein.

Cornelius Gurlitt war der Sohn von Hildebrand Gurlitt, der als einer von vier Kunsthändlern Adolf Hitlers für das NS-Regime mit Kunst handelte. Er starb am 6. Mai im Alter von 81 Jahren und setzte das Kunstmuseum Bern als Alleinerben ein. Das Museum hat allerdings noch nicht entschieden, ob es das Erbe antreten will. (thu/sda)

Erstellt: 24.07.2014, 21:28 Uhr

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