Bern

Bildhauer Bernhard Luginbühl ist tot

Er war bekannt für seine grossen Eisenskulpturen und Verbrennungsaktionen. Nun ist der Berner Künstler im Alter von 82 Jahren gestorben.

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«Ich hörte in der Pause an der Kunstgewerbeschule einen Kerl lauthals plagieren, dass er dreissig Ringelnattern an der Giessen gefangen habe.» Es war die erste Begegnung des Berner Fotografen und Filmers Leonardo Bezzola mit seinem späteren Freund, dem Künstler Bernhard Luginbühl. Keine Frage: Nicht nur Luginbühls Talent für das Fangen von Ringelnattern, auch sein Auftreten zeugte von einem aussergewöhnlichen Charakter. Unter seinen Mützen schaute der Künstler spitzbübisch hervor, der Schnauz und die hochgezogenen Augenbrauen verliehen ihm einen unberechenbaren Charme.

Das stolze Arbeiterkind

Der am 16.Februar 1929 geborene Sohn eines Metzgers wuchs im damaligen Berner Arbeiterquartier Lorraine auf. Das raue Umfeld des Schlachthauses hatte Luginbühl geprägt: «Stellt euch vor, als Dreikäsehoch vor einem Stier zu stehen, und dieser fällt um. Das ist ein halber Weltuntergang. Und das Blut, das herausfliesst, ist ein Sturzbach», sagte er einst. In seinem Frühwerk der 50er Jahre findet man denn auch einige Stiere, die diese Erfahrungen widerspiegeln.

Doch international berühmt wurde Luginbühl Anfang der 60er Jahre nicht mit Tierskulpturen, sondern mit seinen Werkgruppen wie etwa den «Elementen», den «Aggressionen» oder den «Raumhaken». Die Verwurzelung mit seiner Heimat und der Natur spiegelte sich in seinem Werk: Es war 1976, als Luginbühl seinen ersten «Zorn» zündete und auf der Berner Allmend ein riesiges Holzgebilde in Flammen aufgehen liess. Das Spektakel wurde mit Musik und Feuerwerk untermalt sowie von Ess- und Trinkgelagen begleitet. Luginbühl nutzte seine Verbrennungsaktion nicht nur als Symbol der Vergänglichkeit, sondern auch um auf die Dringlichkeit von Kulturgut- und Naturschutz hinzuweisen. So verbrannte er einmal auch eine Figur, aus deren Bauch eine Stimme ab Tonband zu hören war, die gegen den Abbruch von Bauernhäusern und gegen das Zubetonieren der Dörfer protestierte.

Ein Familienbetrieb

Luginbühl selbst lebte seit 1965 mit seiner zweiten Frau, der Töpferin und Keramikerin Ursi Luginbühl, auf einem Bauernhof in Mötschwil – dort, wo die Bernhard-Luginbühl-Stiftung einen Skulpturenpark errichtet hat. Auf dem Bauernhof wuchsen auch Luginbühls Söhne Brutus, Basil und Iwan auf – alle drei wurden später ebenfalls Künstler und unterstützten ihren Vater bei der Arbeit. Man kann sich gut vorstellen, dass Luginbühl Helfer brauchte, bestehen seine Werke doch aus vielen Tonnen Eisen. Trotz dieser Schwere strahlen seine massiven Werke, wie etwa «Sisyphus» von 1977, aber eine gewisse Leichtigkeit aus. Zahlreiche seiner Skulpturen sind in Sammlungen und im öffentlichen Raum vertreten.

Eine Auswahl dieser Werke, aber auch grafische Arbeiten des vielseitigen Künstlers, sind aktuell im Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle in Freiburg zu sehen. Eine Ausstellung, die sich der Künstlerfreundschaft von Luginbühl und Tinguely widmet. Bis zu Tinguelys Tod im Jahr 1991 verband die beiden Kunstschaffenden eine innige Freundschaft, die auch künstlerische Früchte trug, wie die laufende Ausstellung zeigt.

Wild und impulsiv

Mit ihm befreundet zu sein, sei aber nicht immer einfach gewesen, sagte Leonardo Bezzola vor zwei Jahren gegenüber dieser Zeitung: «Er ist ein wilder Siech.» Einmal habe Luginbühl vor den Augen Bezzolas mit einem verlotterten Revolver herumgespielt, bis ein Schuss losgegangen sei – zum Glück aber nur zum Fenster hinaus. «Das war sehr impulsiv», so Bezzola.

Bernhard Luginbühl ist wenige Tage nach seinem 82. Geburtstag friedlich eingeschlafen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.02.2011, 20:08 Uhr

Die Eisenskulpturen: Luginbühl schuf ein eigenwilliges Werk an Eisenskulpturen, wie jene, die 2002 bei Lugnorre ausgestellt waren. (Bild: Keystone )

Die Verbrennungaktionen: 2002 verbrannte Luginbühl eine Holzskulptur auf dem Mont Vully. (Bild: Urs Baumann)

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