Die Kunst des Elektroschocks

Der russische Künstler Oleg Mavromati lässt sich dabei filmen, wie er Elektroschocks bekommt. Die Zuschauer bestimmen dabei über die Stärke der Stromstösse.

Treibt die Provokation über die Schmerzgrenze hinaus: Oleg Mavromanti.


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Oleg Mavromatis Kunst ist im wahrsten Sinne des Wortes «shocking». Der russische Künstler liess sich für sein neuestes Projekt auf einen elektrischen Stuhl fesseln. Und gab sein Schicksal in die Hände des Publikums. Mavromati wird von einer Webcam überwacht. Die Internet-User können für oder gegen ihn stimmen. Je mehr Stimmen er gegen sich hat, desto mehr Schmerzen muss er über sich ergehen lassen.

Nach den 100 Gegnern gab es einen Schlag von 0,5 Sekunden. Spannung: 600'000 Volt. Bei 1000 Stimmen dauert der Stromstoss 1,5 Sekunden. Bis zum 14. November sitzt er noch im Stuhl vor der Webcam. Jeder Benützer, der sich registrieren lässt und seine Pass-Daten angibt, hat eine Stimme frei. Der letzte Schlag könnte Mavromati das Leben kosten – falls sie Stromstösse denn tatsächlich echt sind. Die Aktion erinnert an das Milgram-Experiment aus den 1960er Jahren als getestet wurde, wie weit Menschen bereit sind, andere auf Anordnung zu quälen beziehungsweise zu töten. Die Ergebnisse waren schockierend.

«Ich bin nicht Gottes Sohn»

Mavromatis Absicht ist eine ähnliche: Er will mit seiner Aktion testen, wie Menschen mit ihrer Freiheit umgehen. Nutzen sie sie, um ein Leben zu bewahren oder um zu töten? Das Projekt erinnert an das Milgram-Experiment, wo Testpersonen dazu gebracht werden, andere Menschen zu foltern. Ob die Stromstösse bei Mavromanti echt sind, ist jedoch nicht restlos geklärt.

Es ist nicht das erste Mal, das der russische Künstler provoziert. Vor Jahren liess er sich mit den Worten «Ich bin nicht Gottes Sohn» ans Kreuz nageln. Die Reaktion von katholischen Fundamentalisten war so gross, dass Mavromati ins Exil nach Bulgarien floh. (reh)

Erstellt: 15.11.2010, 12:29 Uhr

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