Diese Künstlerinnen präsentieren die Schweizer Museen 2020

Kunsthäuser im ganzen Land zeigen in diesem Jahr 35 Schauen zu Frauen. Hier finden Sie unseren weiblichen Ausstellungs-Guide.

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Aarau. Das Aargauer Kunsthaus beschäftigt unter der Direktion von Madeleine Schuppli praktisch nur Frauen und darf zumindest auf der kuratorischen und organisatorischen Seite als Frauenhaus bezeichnet werden (ab Juli 2020 ist Katharina Ammann neue Direktorin des Kunsthauses). Das Museum präsentiert die drei jungen Künstlerinnen Martina Mächler und Rachel Monti (Reihe Caravan) sowie Denise Bertschi (Manor Kunstpreis). Neben Kunst von Männern stellen die Aargauerinnen mit Emma Kunz (1892–1963) ab 4. September Leben und Werk einer Heilpraktikerin und Künstlerin vor. Von zwölf Ausstellungen werden vier Künstlerinnen im Zentrum haben (12/4).

Hier finden Sie unsere Gender-Analyse zu den Ausstellungsprogrammen von Schweizer Museen 2020.

Ausstellung zu Emma Kunz ab 4. September im Aargauer Kunsthaus. Fotos: PD

Basel. Auch wenn im von Josef Helfenstein geleiteten Kunstmuseum Basel der Grossteil der Ausstellungen Künstlern gewidmet ist, so steht der Sommer im Zeichen weiblicher Kunst. Die wichtigen zeitgenössischen Künstlerinnen Kara Walker und Isa Genzken sind im Zentrum, zudem gibt es eine Schau mit der hierzulande weitgehend unbekannten Amerikanerin Charmion von Wiegand (1896–1983), die 1941 die Bekanntschaft mit Piet Mondrian machte und dann abstrakt zu malen begann. Zudem hat «Antigone», ein neuer einstündiger Film von Tacita Dean, Premiere. (10/4)

Kara Walker ab 16. Mai im Kunstmuseum Basel.

Basel. Direktorin Elena Filipovic zeigt in der Kunsthalle Basel Ende März Deana Lawson, und im Herbst ist Michaela Eichwald an der Reihe. Zudem ist ein Aussenwandprojekt mit einer Künstlerin geplant. Parallel dazu gibt es auch Ausstellungen von Künstlern, aber das Interesse an weiblicher Kunst ist bei Filipovic eindeutig Programm. (9/3)

Bern. Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee stehen unter der Direktion von Nina Zimmer. Von insgesamt elf geplanten Ausstellungen 2020 sind drei Künstlerinnen gewidmet. Es handelt sich um die heute 96 Jahre alte Teruko Yoko, die ein Künstlerleben zwischen Tokio und Bern, New York und Paris führt. Dazu kommt eine gross angelegte Ausstellung über Lee Krasner, die zeitlebens im Schatten ihres Gatten Jackson Pollock stand. Schliesslich werden auch die Fotografien der weit gereisten Journalistin Annemarie Schwarzenbach gezeigt. (11/3)

Lee Krasner ab 7. Februar im Zentrum Paul Klee Bern.

Chur. Während die bisher genannten Museen neben Künstlerinnen immer auch Künstler zeigen, geriert sich das Bündner Kunstmuseum unter Direktor Stephan Kunz im 2020 ganz und gar weiblich: Es zeigt ab 22. Februar die «Flügelwesen» und das zeichnerische Werk der in Celerina wohnhaften Künstlerin und Autorin Erica Pedretti. Danach folgen Ausstellungen zu Evelina Cajacob und Ludovica Carbotta. «In schwebender Leichtigkeit führt uns die Künstlerin durch eine fragile Bildwelt», heisst es im Vorschautext des Museums über Cajacob, die in Chur und Malans lebt. Carbotta stammt aus Italien und realisiert ihre erste Ausstellung in der Schweiz. In einer speziell für Chur entwickelten Skulpturenserie wird sie sich mit den Giacomettis auseinandersetzen. (3/3)

Erica Pedretti ab 22. Februar im Bündner Kunstmuseum.

Genf. Im Musée d’Art et d’histoire in Genf ist keine Ausstellung zu einer Künstlerin geplant. (6/0)

Lausanne. Im neuen Musée Cantonale des Beaux-Arts in Lausanne sind für diesen Herbst zwei Ausstellungen mit Künstlerinnen angesagt: Zum einen geht der Manor Kunstpreis an Anne Rochat, zum anderen stellt Direktor Bernard Fibicher ab 9. September das oft surreale Schaffen der deutsch-amerikanischen Künstlerin Kiki Smith aus. (10/2)

Kiki Smith ab 9. Oktober im MCBA.

Lugano. Auch am Masi Lugano geht es 2020 sehr männlich zu: Direktor Tobia Bezzola zeigt die Fotografen Harry Shunk und Janos Kender, die zwischen 1950 und den frühen 80er-Jahren zusammengearbeitet haben. Mitte März wird die Sammlung Bührle vorgestellt, die noch einmal auf Reisen geht, bis sie dann 2021 im Chipperfield-Bau des Kunsthauses Zürich ihr neues Zuhause bezieht. Erst Ende Jahr kommt mit Marta Margetti eine Frau ins Programm. (8/1)

Luzern. Im Kunstmuseum Luzern (Direktion: Fanni Fetzer) sind drei Ausstellungen mit Künstlerinnen auf dem Programm. Ende Februar beginnt eine Retrospektive mit Werken von Marion Baruch, dann folgt die Comic-Zeichnerin Nathalie Djurberg, und im Dezember ist eine Kabinettausstellung mit Maude Léonard Contant geplant. (10/3)

Marion Baruch ab 29. Februar im Kunstmuseum Luzern.

Martigny. Die Fondation Gianadda in Martigny, die zurzeit eine Auswahl aus Christoph Blochers Kunstsammlung zeigt, hat 2020 keine Ausstellung zu einer Künstlerin auf dem Programm. (2/0)

Muttenz. Noch diesen Monat startet am Kunsthaus Baselland eine Ausstellung mit der Amerikanerin Marlene McCarty, die in Basel in den Siebziger- und Achtzigerjahren studierte. Im März folgt ein neues Wandgemälde an der Fassade, das von der Basler Künstlerin Lena Erikson gestaltet wird. Im Mai organisiert Direktorin Ines Goldbach eine Gruppenausstellung mit den Künstlerinnen Thu Van Tran, Andrea Blum und Marina Rosenfeld. Der Frauenanteil am Gesamtprogramm von zehn Ausstellungen beträgt fünf. (10/5)

Marlene McCarty ab 24. Januar im Kunsthaus Baselland.

Riehen. Überwiegend männlich wird das Kunstjahr bei Beyeler, wo Edward Hopper und Francisco Goya das Programm bestreiten. Noch bis Ende Januar läuft im von Sam Keller geleiteten Museum die Gruppenschau Resonating Spaces, die fünf Künstlerinnen vereinigte. Blickt man zurück, erinnert man sich an Rony Horn, Marlene Dumas und Jenny Holzer. Im Herbst 2020 ist zudem eine Gruppenausstellung mit Bildnissen von Künstlerinnen geplant. (3/1)

St. Gallen. In St. Gallen sticht unter Genderaspekten die Ausstellung über Geta Bratescu (1926–2018) hervor. Von 25. April bis zum 20. September steht im von Roland Wäspe geleiteten Museum die überaus einflussreiche rumänische Grafikerin, Zeichnerin, Illustratorin und Konzeptkünstlerin, die an der Documenta 2017 einen grossen Auftritt hatte, im Fokus einer grossen Ausstellung. Ab 8. Februar steht ausserdem Siobhán Hapaska in der Lokremise auf dem Programm. (8/2)

Geta Bratescu ab 25. April im Kunstmuseum St. Gallen.

Winterthur. In den von Konrad Bitterli geleiteten Winterthurer Museen sind in diesem Jahr viele Männer angesagt: Neben der Carl-Spitzweg-Ausstellung im Reinhart am Stadtgarten gibt es viel zeitgenössische Kunst im Kunstmuseum – Walead Beshty, Gerhard Richter, Lutz und Guggisberg oder David Claerbout. Zusätzlich sind zwei Gruppenausstellungen geplant, die auch Künstlerinnen zeigen und eine Einzelausstellung mit der Israelin Keren Cytter. (12/1)

Zürich. Das Haus Konstruktiv wechselt dreimal in diesem Jahr seine Ausstellungen und kombiniert jedes Mal eine Frau mit einen Mann. Direktorin Sabine Schaschl zeigt die Österreicherin Brigitte Kowanz im Februar, dann folgen die Brasilianerin Mira Schendel im Juni und die Argentinierin Amalia Pica im Oktober. (6/3)

Brigitte Kowanz ab 6. Februar im Haus Konstruktiv.

Zürich. Im Ausstellungsprogramm des Kunsthauses Zürich, dem Direktor Christoph Becker vorsteht, findet man für 2020 nur eine einzige Künstlerin. Es handelt sich um Ottilie Wilhelmine Roederstein, die 1859 in Zürich geboren wurde und 1937 in Hofheim am Taunus starb. Vernissage ist am 4. Dezember 2020. Das Kunsthaus will die deutsch-schweizerische Künstlerin zusammen mit dem Städel in Frankfurt, wo die Ausstellung 2021 gezeigt werden soll, wieder entdecken. (8/1)

Ottilie Wilhelmine Roederstein ab 4. Dezember im Kunsthaus Zürich.

Zürich. Die Kunsthalle Zürich unter Daniel Baumann zeigt nach ihrer im Februar beginnenden Schau zu Gilbert & George im Juni dann Liz Larner, eine kalifornische Installationskünstlerin, die bei John Baldessari studiert hat. (3/1)

Erstellt: 21.01.2020, 19:19 Uhr

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