Drohnen-Vandalismus

Ein japanischer Künstler hat es vorgemacht: Dank Drohnen lassen sich Graffiti bald überall anbringen.

Die Kunst-Drohne in Aktion: Der Strassenkünstler Katsu versprayt ein Werbeplakat. Video: Yeah Boyy/Youtube


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Zu schrägen japanischen Flöten- und Trommelklängen fliegt die Drohne im Youtube-Video vor das riesige Calvin-Klein-Werbeplakat, das die New Yorker Kreuzung Lafayette und Houston dominiert. Sie schwebt wie eine Mücke vor das mehrere Stockwerke hohe Gesicht von Kendall Jenner, wo sie ein paar Momente verharrt. Dann setzt die Drohne an und zieht rote Striche über Wange, Nase und Stirn des Jeansmodels. Nach weniger als einer Minute ist das Werk vollendet: Katsu hat seinen Tag, seine Graffiti-Signatur, auf dem gigantischen Plakat angebracht.

Katsu ist ein Strassenkünstler und bekennender Vandale, der seine Spuren seit Jahren in New York hinterlässt. Mit der gelungenen Premiere erschliesst er der Street-Art-Community neue Tummelfelder. Dank Drohne rücken bislang unzugängliche Flächen in Reichweite. Es sei aufregend, «den ersten Einsatz der Drohne als Instrument für Vandalismus zu beobachten», sagt Katsu bei «Wired» im Interview, während das Magazin mit einem bewundernden Unterton meint, es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, dass jemand das enorme Potenzial für subversive Aktionen entdecken würde. Die City-Lab-Website, die sich der Stadtentwicklung verschrieben hat, geht noch weiter und proklamiert: «Die Zukunft der Kunst hat Propeller!»

Fliegende Spraydosen

Katsu verwendete eine handelsübliche Drohne, den Quadcopter Phantom von DJI, den er mit einer Sprühdose ausgestattet hatte. Eine Modifikation, die das Flugverhalten beeinträchtigt und zu unerwarteten Manövern führt. Während sich die Dose leert, verringert sich das Gewicht. Das gleicht die Drohne ruckartig aus – und drückt dem Werk ihren eigenen Stempel auf. «Siebzig Prozent der Konzentration benötigst du, um den Abstand zur Malfläche zu halten», erläutert Katsu.

Während andere in der Drohne ein heimtückisches Mordinstrument sehen, will Katsu ausloten, was passiert, wenn sich die Technologie am künstlerischen Prozess beteiligt: «Drohnen sind das Ding, auf das ich schon mein ganzes Leben gewartet habe», sagt er. Die Markteinführung einer benutzerfreundlichen Graffiti-Drohne ist auch schon geplant.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.05.2015, 22:14 Uhr

So sieht Katsus Graffiti-Drohne aus. Foto: Wikimedia

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