Finde den Fehler!

Ein Jahr nach der «Girl with Ballon»-Zerschredderung soll ein weiteres Banksy-Werk versteigert werden. Doch da stimmt wieder etwas nicht.

Banksy's «Devolved Parliament» wird am 3. Oktober bei Sotheby's in London versteigert. (Foto: Sotheby's; Courtesy of the artist)

Banksy's «Devolved Parliament» wird am 3. Oktober bei Sotheby's in London versteigert. (Foto: Sotheby's; Courtesy of the artist)

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Im britischen Unterhaus debattieren ein paar Dutzend Menschenaffen. So hat es der Streetart-Künstler Banksy 2009 auf eine Leinwand gepinselt, und heute, im Kontext zermürbender Brexit-Verhandlungen, erscheint «Devolved Parliament», so heisst das imposante Wimmelbild, noch eindrucksvoller als damals. Eine Allegorie auf die endlosen Absurditäten im britischen Parlament, eine visionäre Leinwandsatire auf den Untergang Grossbritanniens, ein Destillat des Brexit-Dramas, finden Experten. Am dritten Oktober kommt das Gemälde nun im britischen Kult-Auktionshaus Sotheby's unter den Hammer – nur zwei Kilometer entfernt vom House of Commons. Für knapp zwei Millionen Pfund soll es den Besitzer wechseln: für einen Banksy ungewöhnlich viel Geld, aber auch ungewöhnlich wenig Skandal. Bis jetzt.

«Has Banksy Monkeyed Around With His Parliament of Chimps?» fragt nun die New York Times und legt eine lupenreine Vorher-Nachher-Bildbetrachtung vor: Beim Vergleich von Fotos des Werks im Bristol Museum vor zehn Jahren und Katalog-Abbildungen von heute fallen tatsächlich ein paar Veränderungen auf.

Oben «Question Time» (2009), unten die neue, schummrige Version «Devolved Parliament» (2019).

Ganz so augenscheinlich wie bei Banksys «Girl with Balloon», das kurz nachdem es ersteigert worden war, nur noch in Fetzen von der Wand hing, ist der Effekt nicht. Die Leinwand misst noch immer 4,5 Meter in der Länge und knapp 2,8 Meter in der Höhe – und ist somit immerhin nicht dem Schredder zum Opfer gefallen. Wer aber genau hinsieht, erkennt zum Ersten: Die beiden Kronleuchter am oberen Bildrand des Gemäldes sind erloschen. Zum Zweiten: Die Holzschnitzereien an den parlamentgrünen Bänken wurden ausgeschmückt. Und zum Dritten: Die Banane in der Hand eines Schimpansen baumelt in der neuen Version braun und schlaff nach unten, statt sattgelb aus dem Gemälde zu leuchten.

Banksy tut auch diesmal, was er immer tut: Er schafft reichlich Raum für Spekulationen: Hat der anonyme Künstler selbst in einer Nacht-und-Nebel-Aktion (die er bekanntlich beherrscht wie kein anderer) den Pinsel angelegt? Hat eine gelangweilte Putzkolonne, eine ambitionierte Museumswärterin oder ein unzufriedener privater Kunstsammler, der Banksy das Gemälde 2011 abgekauft haben soll, nachgebessert? Oder ist das Ganze einfach ein für Banksy typischer PR-Gag?

Warum kein Schimpanse mit elektrisiert-blondem Haar?

Im Online-Katalog von Sotheby's wurde der Fehlerteufel jedenfalls zunächst nicht erwähnt; erst auf Anfrage der New York Times stellte das Auktionshaus klar, dass man sich der nachträglichen Veränderungen bewusst sei. Die Firma «Pest Control» dagegen, deren Aufgabe es ist, Banksys Werke auf Nachfrage für echt oder gefälscht zu erklären, bestätigte: bei «Devolved Parliament» handelt es sich um dasselbe Gemälde, das erstmals 2009 unter dem Namen «Question Time» in Bristol zu sehen war. Hinter der Agentur steckt übrigens – Überraschung – Banksy selbst.

Die Fragen nach dem wer, was, warum und wie viel werden sich spätestens Anfang Oktober klären. Fraglich bleibt, wann Banksy sich eigentlich von seiner Hau-drauf-Plakativität abgewandt hat: Warum keine Referenz auf den zum Meme gewordenen müden Brexit-Hardliner Rees-Mogg? Warum kein Schimpanse mit elektrisiert-blondem Haar? Und warum stehen die Zeiger der goldenen Parlamentsuhr noch immer auf Punkt Zwölf?

Vielleicht kommen dem Künstler bis zur Auktion noch ein paar Geistesblitze, vielleicht entscheidet man sich bis dahin auch noch für einen dritten Titel: Warum nicht einfach «Finde den Fehler» (2009-2019), Öl auf Leinwand, 450 x 280cm?

Erstellt: 21.09.2019, 22:02 Uhr

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