Hallen für Neue Kunst müssen Beuys-Werk herausgeben

Das Schaffhauser Obergericht hat einer Klage auf Herausgabe eines Joseph-Beuys-Werkes stattgegeben. Die Rauminstallation «Das Kapital» geht nun an drei Kunstsammler, die seit Jahren um das Werk kämpfen.

Muss herausgegeben werden: Die Rauminstallation «Das Kapital Raum 1970-1977» von Joseph Beuys.

Muss herausgegeben werden: Die Rauminstallation «Das Kapital Raum 1970-1977» von Joseph Beuys. Bild: PD

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Die Schaffhauser Hallen für Neue Kunst müssen die Rauminstallation «Das Kapital Raum 1970-1977» von Joseph Beuys drei Kunstsammlern herausgeben. Dies hat das Obergericht des Kantons Schaffhausen entschieden, wie das «Regionaljournal» von Radio SRF meldete.

Das Obergericht bestätigte das Urteil des Kantonsgericht von 2010, wonach das Werk im Besitz von drei Kunstsammlern ist, die seit Jahren darum kämpfen. Die Stiftung für Neue Kunst als Betreiberin der «Hallen» habe es den Klägern demnach herauszugeben. Das Obergericht wies eine Beschwerde der Stiftung gegen das erstinstanzliche Urteil ab.

«Hallen«-Gründer Urs Raussmüller betonte gegenüber dem «Regionaljournal», wenn die Installation aus den «Hallen» entfernt werde, bedeute dies die Zerstörung des Werks. Dieses bestehe eben gerade in der Verbindung mit Raum und Ort. Laut Stiftungspräsident Axel Plambeck wird ein Weiterzug des Obergerichts-Urteils ans Bundesgericht geprüft.

Gezerre seit bald zehn Jahren

Um das Werk ist seit Jahren ein juristisches Gezerre im Gang. Die Hallen für neue Kunst und deren Gründer Raussmüller beanspruchen das Werk als ihr Eigentum. Das gleiche machen die drei Kunstsammler geltend, die nun vom Obergericht Recht bekommen haben.

Es geht um eine vielteilige Rauminstallation im geschätzten Wert von über vier Millionen Franken. In den «Hallen für Neue Kunst» ist es auf zwei Stockwerken aufgebaut. Ursprünglich hatte Beuys die Installation 1980 für die Biennale in Venedig geschaffen. Danach wurde sie abgebaut und 1984 von Beuys unter Mithilfe von Raussmüller in Schaffhausen wieder aufgebaut.

Unterschiedliche Ansichten zur Ausrichtung

Das Gericht hält allerdings in einer Mitteilung fest, bei der Installation in den «Hallen» sei das Werk ein Teil der so genannten «Sammlung Crex» im Eigentum der Crexart AG gewesen und sei in der Folge auf die drei Sammler übertragen worden. Die Kläger hätten die Stiftung also zu Recht eingeklagt.

Einer der Kläger war früher Stiftungsratspräsident der «Hallen», ein anderer war dem «Hallen«-Initianten Raussmüller freundschaftlich verbunden. Zum Streit gekommen war es aufgrund unterschiedlicher Ansichten zur Ausrichtung der «Hallen». 2004 reichten sie Klage ein. (ajk/sda)

Erstellt: 06.01.2014, 18:23 Uhr

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