Jürg Altherr ist tot

Der Bildhauer, Plastiker und Landschaftsarchitekt Jürg Altherr ist einem breiten Publikum vor allem wegen seiner oft spektakulären Gestaltung im öffentlichen Raum bekannt geworden.

Jürg Altherrs Autobahn-Lärmschutzwand bei Emmen.

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Am letzten Freitag ist Altherr im Alter von 73 Jahren gestorben, wie aus der Traueranzeige seiner Familie in der «Neuen Zürcher Zeitung» von Dienstag hervorgeht.

Plastiken, teils mit Titeln, die paradox sind und irritieren: In Frauenfeld auf dem Waffenplatz Aufeld etwa «Verhängnis» oder im Zürcher Flughafen im Terminal B «Dreibein» oder in St. Gallen bei der EMPA «Heckenkörper - Körper ohne Haut» - zu übersehen sind sie nicht, diese Werke von Jürg Altherr.

Genau das ist es, was Altherr wollte. Kunst solle sperrig sein, sie solle Diskussionen auslösen, heisst es über sein Credo in einem Nachruf der «NZZ». Bereits in seinem Frühwerk, das in die Jahre 1962 bis 1974 fällt, bewegte er sich im Grenzbereich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion mit Skulpturen aus Granit oder Muschelkalk.

In den Jahren darauf arbeitete Altherr mit Gipsabgüssen von Menschen, die er mit Skelettteilen von Tieren kombinierte und die teils noch mit Fleisch behaftet waren. Mit diesen recht beklemmenden Werken setzte sich Altherr mit dem Prozess der Zersetzung von organischem Material auseinander.

Konstruktionen in fragilem Gleichgewicht

Im darauf folgenden Werkabschnitt ist Altherr dem Phänomen der Balance nachgegangen. Die Werke sind Stahlkonstruktionen, die sich in fragilem Gleichgewicht befinden und vom Betrachter als instabil wahrgenommen werden. Beispiel hierfür ist etwa «Verhängnis» in Frauenfeld. Für die Berechnung, die solchen Plastiken zugrunde liegen, arbeitete Altherr mit Ingenieuren zusammen.

Derartige Grossplastiken habe der Künstler als städtebauliche Elemente verstanden, heisst es im Lexikon zur Kunst der Schweiz (SIKART). Bei der Gestaltung des Terrains sei es Altherr um das «Zusammenspiel der plastischen und natürlichen Komponenten von Architektur und Landschaft» gegangen.

Altherr hat denn auch in der ersten Hälfte der 1970er Jahre Garten- und Landschaftsarchitektur am Interkantonalen Technikum in Rapperswil studiert und anschliessend dort als Lehrbeauftragter gearbeitet. Zehn Jahre zuvor hatte er in in Mailand bei Marino Marini studiert. Dem waren die Arbeit in verschiedenen Steinbrüchen gefolgt. Von 1964 bis 1972 hat Altherr als Steinbildhauer gearbeitet. In den späten 1970er Jahren folgten Werke in Stahl. Von 1979 bis 1982 hatte Altherr einen Lehrauftrag für Plastisches Gestalten an der ETH in Zürich inne. Der Künstler ist mehrfach ausgezeichnet worden, so beispielsweise für die Arbeit im Flughafen Zürich oder für die Gestaltung des Dorfzentrums von Aadorf. (phz/sda)

Erstellt: 05.06.2018, 14:52 Uhr

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