«Maschinen können kreativ verwendet werden»

Zusammen mit dem Cirque du Soleil brachten Forscher der ETH Zürich Lampenschirme zum Fliegen. Team-Mitglied Markus Hehn über Drohnen und magische Ingenieurskunst.

Fliegende Lampenschirme: Der Kurzfilm «Sparked» entstand in einer Zusammenarbeit zwischen dem Cirque du Soleil und der ETH Zürich. (Quelle: Cirque du Soleil/Youtube)


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Herr Hehn, Sie und Ihr Team lassen im Kurzfilm «Sparked» zusammen mit dem Cirque du Soleil Lampenschirme fliegen – Ingenieure und Zirkusmacher, passen die zusammen?
Genau das wollten wir mit unserer Zusammenarbeit unter Beweis stellen: Der Cirque du Soleil und meine Kollegen und ich teilen die Ansicht, dass Technologie dazu genutzt werden kann, das Publikum zum Staunen zu bringen und wunderbare Geschichten zu erzählen.

Wie kam es zu dieser Kollaboration?
Wir sind in der glücklichen Lage, dass unsere bisherige Arbeit an der ETH auf grosses öffentliches Interesse gestossen ist. Wir wurden immer wieder von Leuten kontaktiert, die gerne mit uns zusammenarbeiten wollten. Mit dem Cirque du Soleil haben wir nun über zwei Jahre lang Gespräche geführt und mögliche Kooperationen diskutiert.

Der Kurzfilm versprüht Magie. Was ist die Ingenieurleistung, die dahintersteckt?
Der Film wurde in der Flying Machine Arena an der ETH Zürich gedreht. Diese Arena ist eine Testumgebung, in der wir unsere Flugmaschinen weiterentwickeln, testen, und dem Publikum vorführen. Die Arena erlaubt es uns, mit den Quadrokoptern schnelle Bewegungsabläufe zu simulieren und die Algorithmen aus unserer Forschung zu Steuerungs- und Regelungsmethoden zu testen.

Welches waren die grössten Herausforderungen bei «Sparked»?
Die an den Robotern montierten Lampenschirme erschwerten den Flug: Unsere Maschinen verloren an Agilität. Unsere mathematischen Modelle können die komplexen aerodynamischen Effekte der Lampenschirme nur unpräzise abbilden. Zugleich war das aber ein guter Test für die Strapazierfähigkeit unserer Algorithmen. Ausserdem war die Choreografie deutlich komplexer, als das, was wir bisher in unserer Forschung testeten.

Wie entstand diese Choreografie?
Es ist oft nicht intuitiv herauszufinden, was mit den Quadrokoptern einfach ist und was nicht. Deshalb haben wir die Schlüsselelemente der Geschichte von Anfang an gemeinsam mit dem Cirque du Soleil erarbeitet. Zunächst kreierten wir Choreografien, die schlicht aus einzelnen dynamischen Bewegungselementen bestanden. So konnten wir Rückmeldungen des Regisseurs und des Kameramanns direkt während der Proben berücksichtigen.

Sehen Sie Kunst als Möglichkeit, Laien eine neue Technologie näherzubringen?
Ich denke, die Quadrokopter in der Welt der Kultur und des Theaters eignen sich gut, das Publikum mit eventuellen Ängsten und Vorurteilen über Drohnen zu konfrontieren. Gleichzeitig können wir zeigen, dass es für Drohnen auch Anwendungen gibt, die vielleicht heute noch unkonventionell erscheinen.

Schon der Mathematiker und Computerpionier Claude Shannon interessierte sich für Zirkuskunst, er baute Jongliermaschinen. Sehen Sie das Projekt «Sparked» in dieser Tradition?
Forschung in den naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen wird oft als trocken und unkreativ angesehen. Dabei ist häufig das Gegenteil der Fall. Wir denken, dass Maschinen durchaus kreativ verwendet werden können – wie dies Claude Shannon mit seinen Jongliermaschinen auch tat.

Sind weitere Projekte dieser Art geplant?
Wir sind überzeugt, dass Flugroboter den Weg auf die grossen Bühnen finden werden. Das Projekt «Sparked» ist für uns erst ein Anfang.

Dieses Interview wurde schriftlich geführt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.10.2014, 13:59 Uhr

Markus Hehn forscht am Institut für Dynamische Systeme und Regelungstechnik der ETH Zürich.

Die Flugmaschinen der ETH

In «Sparked» choreografiert eine Tüftler Lampenschirme, die magisch zum Leben erweckt wurden. Der Kurzfilm entstand in einer Zusammenarbeit des Cirque du Soleil mit der ETH Zürich und dem ETH-Spinn-off Verity Studios.

Unter den Lampenschirmen verbergen sich computergesteuerte Quadrokopter. Entwickelt wurden diese Flugmaschinen von ETH-Professor Raffaello D'Andrea und seinem Team des Instituts für Dynamische Systeme und Regelungstechnik. Gedreht wurde «Sparked» in der sogenannten Flying Machine Arena der ETH, einem portablen Test- und Vorführgelände für die Flugmaschinen.

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