Mein Freund Alberto

Aimé Maeght war nicht nur ein Kunstkenner, sondern auch ein enger Freund des Schweizers Alberto Giacometti. Jetzt widmet seine Fondation in Südfrankreich der Beziehung der beiden Männern eine Ausstellung.

104 Millionen Dollar Wert: L'Homme qui marche I im Februar bei Sotheby's in New York.

104 Millionen Dollar Wert: L'Homme qui marche I im Februar bei Sotheby's in New York.

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Aimé Maeght kaufte nicht nur die Werke Alberto Giacomettis. Der Galerist und Gründer der bekannten Fondation Maeght war auch ein enger Freund des Bündner Künstlers. In einer Ausstellung geht das Museum nun erstmals auf die Beziehung der beiden Männer ein.

«Giacometti & Maeght. 1946-1966» ist «eine sehr persönliche Ausstellung, die die langjährige und enge Freundschaft zwischen Giacometti und Aimé Maeght veranschaulicht», erklärt Isabelle Maeght, die Enkelin des berühmten Sammlers und Gründers des Museums in den Hügeln von Saint-Paul-de-Vence in der Nähe von Nizza.

Seltene Exponate

Dafür hat sie zahlreiche, sehr selten zu sehende Stücke aus der Sammlung Maeght ausgewählt. Unter den 170 Exponaten befinden sich viele Highlights: Eine weibliche Mini-Gipsfigur, die einen bunten Blumenstrauss in der Hand hält - ein Geschenk, das Giacometti 1956 Maeght zum 30. Geburtstag überreichte.

Oder die drei erstmals nebeneinander ausgestellten Ölporträts von Marguerite Maeght, der Ehefrau Aimés. Giacometti porträtierte nicht jeden, nur seine Familie und seine besten Freunde standen für ihn Modell. «Guiguite», wie Giacometti die Ehefrau seines Freundes und Kunsthändlers nannte, war eine dieser Privilegierten.

«Alberto ging ein und aus»

Giacometti verlangte Geduld. «Man musste stundenlang stillsitzen und durfte sich nicht bewegen», erzählt Isabelle Maeght. Die drei Werke sind alle im Jahr 1961 entstanden, fünf Jahre bevor der Künstler an den Folgen einer chronischen Bronchitis starb.

Giacomettis Malerei der Spätzeit - eine schnelle Pinselführung und eine fast monochrome Farbpalette - ist keiner Stilrichtung der Modernen zuzuordnen. Besonders auffallend sind die gerüstartigen Linien im Bildraum, die an die Werke von Francis Bacon erinnern.

Den Freund in Bleistift porträtiert

Giacometti porträtierte auch Aimé selbst in Bleistift. Der Gründer der Fondation, der Joan Miró, Marc Chagall und Georges Braque zu seinen Künstlerfreunden zählte, sass nur selten Modell. «Er konnte nicht stillsitzen und brachte Alberto fast zur Verzweiflung», erinnert sich die Enkelin.

Die Freundschaft zwischen Maeght und Giacometti, die sich 1946 erstmals begegnet sind, hielt bis zum Tod des Bildhauers im Jahr 1966. «Alberto gehörte zur Familie. Er ging hier ein und aus», schildert Isabelle Maeght.

«Einen Verrückten gefunden»

Aimé Maeght stellte die fast körper- und gewichtslosen Figuren erstmals 1947 im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung in seiner Pariser Galerie aus. 1951 wurde er Giacomettis Kunsthändler. Zur Eröffnung seiner Fondation 13 Jahre später widmete Maeght seinem Freund den Innenhof des Museums, den «Cour Giacometti».

Dort war unter anderem die Plastik «L'Homme qui marche I» zu sehen, die Anfang dieses Jahres für Schlagzeilen sorgte, weil einer der Bronzeabgüsse den Rekordpreis von 74 Millionen Euro erzielt hatte. Doch so begehrt wie heute war die knorrige Figur nicht immer.

Die Auftragsarbeit, die Giacometti 1956 schuf, sollte ursprünglich den Vorplatz des Wolkenkratzers der Chase Manhattan Bank in New York schmücken. Die riesige Skulptur missfiel dem Auftraggeber jedoch und wurde nicht aufgestellt - bis zur Eröffnung der Fondation Maeght im Jahr 1964.

«Ich habe einen Verrückten gefunden, er will alle meine Gipsfiguren in Bronze giessen lassen», jubelte Giacometti kurz nach der Begegnung mit Maeght 1946. Heute gehören die schreitenden Männer und stehenden Frauen zu den berühmtesten Werken des Künstlers. 35 von ihnen befinden sich im Besitz der Sammlung Maeght. (oku/sda)

Erstellt: 04.07.2010, 17:26 Uhr

Aimé Maeght, 1972.

Alberto Giacometti, 1962.

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