Nazi-Raubkunst: Kunsthaus schweigt

Das Zürcher Kunsthaus wird grosszügig mit öffentlichen Geldern unterstützt. Doch über die möglicherweise dubiose Herkunft gewisser Kunstwerke verweigert das Haus jegliche Auskunft.

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Das Kunsthaus Zürich wird nicht allzu knapp mit öffentlichen Geldern unterstützt, im Jahr 2009 immerhin mit 8,1 Millionen Franken (private Beiträge ca. 10 Millionen). Da sollte man meinen, dass sich diese Institution auch in ihrem Tun und Lassen gegenüber der Öffentlichkeit rechtfertigen müsste, insbesondere, wenn es um mögliche Dunkelkammern geht. Doch seit Jahren weigert sich das Kunsthaus, darüber Auskunft zu geben, ob es die Herkunft von Kunstwerken, die einen möglichen Bezug zu Nazi-Raubkunst haben könnten, abgeklärt hat. So will es etwa im Gegensatz zu anderen Museen den Fragebogen des BAK zu Provenienzrecherchen weiterhin unter dem Deckel halten (TA von gestern).

Leichen im Keller

Von Kunsthaus-Direktor Christoph Becker hätte der «Tages-Anzeiger» gerne gewusst, wieso er in Sachen Provenienzrecherchen eine dermassen defensive Informationspolitik betreibe. Alleine: Becker war für den «TagesAnzeiger» nicht zu sprechen, wie übrigens seit Jahren nicht zu diesem Thema. Pressesprecher Björn Quellenberg meinte – ebenfalls wie seit Jahren –, dass man auf gezielte Einzelanfragen fallweise Auskunft gebe, nicht aber die bisherigen Recherchen offenlege. Offenbar – so deutete er an – wünschten die privaten Geldgeber Zurückhaltung.

Das will auch die Stadt Zürich, die mit Stadtpräsidentin Corine Mauch und weiteren Vertretern der Stadt Zürich im Vorstand der Zürcher Kunstgesellschaft präsent ist, nicht infrage stellen. Peter Haerle, oberster Kulturverantwortlicher der Stadt Zürich, sagt: «Das Kunsthaus ist eine privatrechtliche Institution. Wie es kommuniziert, ist deren Sache. Der Stadt Zürich ist wichtig, dass das Kunsthaus Hinweisen auf mögliche Raubkunst nachgeht und diese sorgfältig abklärt.» Doch damit kann es nicht getan sein, denn häufig wissen Nachkommen von Bestohlenen gar nicht, dass ihre Eltern oder Grosseltern von den Nazis beraubt wurden.

Die Stadt will also offenbar die 8 Millionen Subventionen nicht als schlagkräftiges Argument für mehr Transparenz einsetzen. Was bei andern Museen – etwa der Sammlung Bührle – längst Standard ist, nämlich die Herkunft von fraglichen Kunstwerken ab 1933 zu dokumentieren, Lücken aufzuzeigen, offene Fragen zu thematisieren und das via Internet öffentlich zu machen, sollte auch für das Kunsthaus möglich sein. Denn solange es nicht völlige Transparenz herstellt, muss man annehmen, dass Leichen im Keller sind.

Erstellt: 09.03.2011, 09:49 Uhr

Gibt keine Auskunft zum Thema Raubkunst: Kunsthaus-Direktor Christoph Becker.

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