Streit um Tinguely

Zwanzig Jahre nach seinem Tod sorgt Jean Tinguely nochmals für Aufruhr. Der Kanton Freiburg soll eine Schenkung des Künstlers zweckentfremdet haben.

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Der in Freiburg geborene Tinguely hatte kurz vor seinem Tod 1991 dem Freiburger Staatsrat 436'266 Franken geschenkt – die Einnahmen aus dem Verkauf von Serigrafien und Objekten anlässlich einer Ausstellung in Freiburg. An die Spende gebunden war die Auflage, mit dem Geld junge Kunst zu erwerben.

1993 beschloss der Rat, einen Fonds Jean Tinguely Moskau–Freiburg einzurichten. Zweck sollte der Ankauf von Kunstwerken für die Sammlung des Museums für Kunst und Geschichte sein, «namentlich Werke anerkannter zeitgenössischer Künstler oder junger Talente».

Bis heute seien aber keine solchen Ankäufe erfolgt, stellten Olivier Suter (Grüne) und 50 Mitunterzeichner in einem Vorstoss fest. Sie fordern vom Kanton, Tinguelys Willen zu respektieren und den Fonds dem 1993 beschlossenen Zweck zuzuführen. Der Vorstoss wurde deutlich abgewiesen. Das sei «eine Schande», sagte der Gründer der Bewegung Pro Fribourg, Gérard Bourgarel, am Mittwoch zur Nachrichtenagentur SDA. «Wir werden es nicht dabei bewenden lassen.»

Zinsen finanzieren Ausstellungen

Von Veruntreuung könne keine Rede sein, «im Gegenteil», sagte Staatsrätin Isabelle Chassot. Nach Tinguelys Tod habe seine frühere Lebensgefährtin Niki de Saint Phalle dem Kanton eine weitere Schenkung von eigenen Werken und solchen von Tinguely gemacht mit der Auflage, einen ihnen beiden gewidmeten Ausstellungsort zu schaffen.

Mit der Eröffnung der Espace Jean Tinguely Niki de Saint Phalle sei sowohl Tinguelys wie Saint Phalles Willen Genüge getan. Die Zinserträge aus dem ursprünglichen Tinguely-Fonds würden helfen, die Ausstellungen dort zu finanzieren.

(jos/sda)

Erstellt: 08.06.2011, 16:11 Uhr

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