Bildstrecke

Unter der Lupe

Der Forscher Christopher B. Jackson vereint Kunst und Wissenschaft: Er fotografiert Dinge, die die meisten Menschen noch nie gesehen haben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Diatomeen, Polymere und Pilzmyzel: Wenn man sich überlegt, was man an die frisch gestrichene Wohnzimmerwand hängen möchte, würde man zuletzt an diese Begriffe aus der Zellbiologie denken. Vordergründig, weil man sich darunter nichts vorstellen kann. Schliesslich handelt es sich dabei um Dinge, die von blossem Auge gar nicht erkennbar sind.

Nicht so Christopher B. Jackson. Der Walliser mit englischen Wurzeln forscht am Berner Inselspital an Mitochondrien und Krebszellen. Sein Interesse gilt den kleinen und kleinsten Bestandteilen unserer Existenz: «Wenn man den Mikrokosmos erkundet, entdeckt man die unsichtbare Zusammensetzung der Welt.»

Wenn Kleines ganz gross wird

Mithilfe eines Elektronenmikroskops vergrössert der junge Wissenschaftler die unterschiedlichsten Oberflächen, von der Schneckenzunge bis hin zu kristallisiertem Urin. Unter dem Rasterelektronenmikroskop werden diese Bestandteile bis zu 200'000-mal vergrössert und nie gesehene Strukturen ersichtlich.

Jackson arbeitet mit Lichtmikroskopen und einem Elektronenmikroskop: «Elektronen haben kürzere Wellenlängen als Licht, somit kann eine höhere Auflösung erreicht werden. Allerdings kann das Präparat nur in Graustufen wiedergegeben werden. Darum färbe ich die mit Gold bedampften Sujets im Nachhinein digital ein.» Bei der Lichtmikroskopie gehen die Farben hingegen nicht verloren, darum werden diese Bilder auch nicht digital nachbearbeitet. Danach werden die Sujets fotografiert und auf metergrosse Leinwände aus Hochglanzfotopapier, Glasoberflächen und Leuchtkästen gedruckt.

Was man da genau sieht, ist meist schwierig zu erraten. Weiss man es, ist die Faszination dafür umso grösser. Die wissenschaftliche Abbildung von Muschelschalen, Muskelfasern und Kristallen versetzt einen in Erstaunen; wer hätte denn gedacht, dass Kartoffelstärke so ästhetisch ist? Die filigranen Formen der Gewebestrukturen und Hautschuppen in schillernden Farben lassen sogar eine gemeine Stubenfliege in anmutiger Schönheit erstrahlen.

Christopher B. Jacksons Aufnahmen sehen Sie in unserer Bildstrecke.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.07.2011, 15:28 Uhr

Doktorand der Humangenetik und Künstler: Der Zellbiologe Christopher B. Jackson.

Artikel zum Thema

Pola ist tot – es lebe das Pola!

2008 wäre es beinahe für immer aus gewesen mit der Polaroidfotografie, wäre nicht in letzter Sekunde ein Retter aufgetaucht. Eine Ausstellung widmet sich der wiederbelebten Fotografie mit der Sofortbildkamera. Mehr...

«Viele Digitalfotos sind völlig für die Katz»

Die Fotografin Katja Snozzi hat die halbe Welt bereist für ihre eindrücklichen Bilder. Warum Yassir Arafat sich über ihren Besuch gefreut hat und warum grässliche Fotos notwendig sind, erzählt sie im Interview. Mehr...

«Weisst du noch, damals...?»

Was gibt es Schöneres, als in Erinnerungen zu schwelgen? Eine Website hat sich etwas Witziges dazu ausgedacht und kombiniert Momente von damals mit Fotos von heute. Mehr...

Blogs

Outdoor Biker-Grosis Botschaft an die Frauen

Mamablog Wir Eltern sind mitschuldig

Die Welt in Bildern

Wer wird Präsident? Ein traditionell gekleideter Chilene, ein sogenannter Huaso, verlässt nach seiner Stimmabgabe in Santiago die Wahlkabine. (19. November 2017)
(Bild: Esteban Felix/AP) Mehr...