Wie der Kaugummi-Mann London verschönert

Kunst, auf die die meisten stehen, macht der britische Künstler Ben Wilson: Er bemalt Kaugummis, die von Passanten in den Asphalt getreten wurden.

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Streetart einmal anders: Ben Wilson trägt keine Kapuzenpullis, keine Atemschutzmasken und macht sich nicht bei Nacht und Nebel an blanken Wänden zu schaffen. Wenn der britische Künstler auszieht, um sein Streetart-Werk fortzuführen, das er seit sechs Jahren betreibt, bringt er einen Bunsenbrenner mit, feinste Pinsel und Akryl-Farbe. Seine Mission sind kleinste Gemälde, die er auf Kaugummiflecken pinselt. Damit trotzt er dem Alltag in der Konsumgesellschaft ein kleines bisschen Schönheit ab. «Ich möchte etwas, was die Leute weggeworfen haben und widerlich finden, in etwas Schönes verwandeln.»

Wilson begann 1998 mit seinen Kaugummigemälden zu experimentieren. Seit 2004 arbeitet er nur noch daran – in den vergangenen sechs Jahren hat er so mehr als 10'000Werke auf den Asphalt Londons und in ganz Europa gemalt. Ist es vollendet wird es fotografiert und fürs Archiv katalogisiert. Seine Arbeit ist inzwischen so bekannt, dass er auch offizielle Aufträge bekommt: So beauftragte ihn jüngst die «Royal Society of Chemistry» jedes der 118 bekannten Elemente auf einen alten Kaugummi zu pinseln. Bereits wurden zwei Dokumentarfilme über Wilson und seine Arbeit gedreht, in Südkorea ist er bereits ein kleiner Star, nachdem er im dortigen Fernsehen auftreten durfte und die Strassen Südkoreas mit seinen Minigemälden verschönerte.

Nicht immer war die Akzeptanz für seine Arbeit allerdings so breit. 2005 wurde Wilson am Trafalgar-Square verhaftet, vergangenes Jahr nahm ihn die Londoner Polizei fest wegen Verdachts auf kriminelle Sachbeschädigung. Allerdings ist ihm rechtlich nichts anzuhaben, weil der eigentliche Schaden ja vom Kaugummikauer angerichtet wurde. Wilson selbst will mit seiner künstlerischen Arbeit die Aufmerksamkeit der Leute auf ihr Umfeld erhöhen. «Die Leute haben ein Recht, kreativ und spontan zu sein in ihrer unmittelbaren Umwelt. Je mehr die Leute ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln, desto mehr Verantwortungsgefühl haben sie – so dass am Ende weniger Abfall und weniger Kaugummi auf den Strassen liegen wird.» (mcb)

Erstellt: 12.11.2010, 14:40 Uhr

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