Zeichnungen und Gemälde von Caravaggio entdeckt

In Mailand sind rund hundert frühe Zeichnungen und Gemälde des Barockmalers Caravaggio ans Licht gekommen. Geschätzter Wert: 700 Millionen Euro. Einige Experten sind jedoch skeptisch.

Rechts die gefundene Skizze, dahinter das Gemälde Bekehrung Sauli: Von den Forschern vorgelegtes Bildmaterial. (5. Juli 2012)

Rechts die gefundene Skizze, dahinter das Gemälde Bekehrung Sauli: Von den Forschern vorgelegtes Bildmaterial. (5. Juli 2012) Bild: Keystone

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Die mögliche Entdeckung von bis zu 100 Werken des Barockmalers Caravaggio sorgt für Diskussionsstoff in der Kunstwelt. Zwei italienische Kunsthistoriker entdeckten die Werke, überwiegend Zeichnungen, nach eigenen Angaben in einer Sammlung des Mailänder Meisters Simone Peterzano, zu dessen Schülern der junge Caravaggio 1584 bis 1588 gehörte. Die Zeichnungen wurden bislang Peterzano selbst zugeschrieben.

Die Sammlung wird im Mailänder Schloss Sforzesco aufbewahrt und gehört der Stadt. Die beiden Kunsthistoriker Maurizio Bernardelli Curuz and Adriana Conconi Fedrigolli berichteten am Donnerstag der italienischen Nachrichtenagentur ANSA über ihre Forschungsergebnisse. Demzufolge untersuchten die beiden die Sammlung zwei Jahre lang und verglichen mit Hilfe eines Computers einzelne Details der Zeichnungen mit Details in späteren Werken Caravaggios.

Experte: «völlig absurd»

Andere Experten waren aber skeptisch. Claudio Strinati, ein renommierter Spezialist für die Kunst des 16. Jahrhunderts, sagte der Nachrichtenagentur AP, dass wahrscheinlich höchstens einige der Zeichnungen von Caravaggio stammen. Aber auch wenn dem so sei, würde keine von ihnen die reife Hand des Künstlers zeigen. Zu glauben, dass rund 100 Werke der Peterzano-Sammlung von Caravaggio stammten, sei «völlig absurd».

Ähnlich sieht dies der Kunsthistoriker Frank Zöllner von der Universität Leipzig. Er beurteilt den mutmasslichen Fund von 100 bisher unbekannten Werken des Barockmalers Caravaggio skeptisch. Er halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass auf einmal ein Konvolut von 100 Zeichnungen und Ölskizzen aufgetaucht sei, sagte Zöllner am Freitag im Deutschlandradio Kultur.

Bislang keine Zeichnungen

Bislang gebe es keine Zeichnungen, die unstrittig Caravaggio zugeschrieben werden könnten. «Jetzt sollen auf einmal 87 Zeichnungen aus dem Nichts kommen». Er halte die Geschichte für «extrem unwahrscheinlich, aber ausgeschlossen ist das natürlich nicht». Zwei italienische Kunsthistoriker hatten die Werke nach eigenen Angaben in einer Mailänder Sammlung entdeckt. Die Zeichnungen wurden bislang einem Lehrer Caravaggios zugeordnet.

Caravaggio wurde 1573 als Michelangelo Merisi geboren, sein Künstlername geht auf seinen Geburtsort zurück. Er ist bekannt für dramatische Licht-Dunkel-Effekte in seinen Werken, ausdrucksstarke Stillleben und den zur damaligen Zeit skandalösen Einsatz von Modellen aus einfachsten Gesellschaftsschichten für die Darstellung religiöser Szenen. Er starb 1610. (mw/rub/dapd)

Erstellt: 05.07.2012, 20:48 Uhr

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