Zürichs Tradition als Gestalterstadt zieht Star- und Nachwuchsgrafiker an

Neue angewandte Kunst aus aller Welt präsentiert sich in der Messe Oerlikon: Die Illustrative ist eine Entdeckung und ein Tipp für Trendscouts.

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Krise? Nicht bei Pascal Johanssen und Katja Kleiss. Der studierte Jurist eröffnete 2005 mit seiner Partnerin eine Galerie in Berlin-Mitte, die rasch zur ersten Adresse für grafische Künstler avancierte – und als das Paar dort 2006 eine Gruppenausstellung plante, wuchs diese sich unversehens zur Illustrative aus: zum Internationalen Forum für illustrative und grafische Kunst, das über 20'000 Besucher anzog – ein wirtschaftlicher wie künstlerischer Erfolg. «Wenn man was Gutes aus dem Boden stampft, funktionierts auch», ist der 35-Jährige überzeugt, und darum wagt er es nun, nach zwei Illustrativen in Berlin und einer in Paris, in Zürich noch eine Nummer grösser. «Zürich hat eine starke Tradition als Gestalterstadt, und wir wollen die Sichtbarkeit der Grafik hier wieder erhöhen.»

Das 4. Internationale Forum für illustrative und grafische Kunst zeigt Werke von 109 Künstlern: Wandmalerei und Buchkunst, Installation und Animationsfilm, Comic und Fashion-Art, kurz Kunst, die aus dem Handwerk kommt, aber mehr will. In der Halle 9 der Zürcher Messe sieht man viel Wollen, aber auch allerhand Können: einen Kronleuchter in Löwensilhouette, ein Stück des holländischen Glaskunst-Stürmers Hans van Bentem. Einen (gemalten) roten Bart voller Blumen von Grafikstar Olaf Hajek aus Deutschland, ein bunt gestreiftes Gesicht unterm schwarz schraffierten Sombrero von Yoh Nagao aus Japan; eine betörende, exakte, braun-rote, retrofuturistische Stadtlandschaft, die der deutsche Grafikdesigner Roman Bittner in einjähriger Feinarbeit am Computer entwarf. Digitale und analoge Zeichentechniken werden durchgespielt.

Neocraft

«Unser Konzept fusst auf dem Bauhaus-Gedanken», sagt Johanssen. Keine Serienproduktion wie bei Designkunst sei das Ziel, sondern «aus dem Geist des Objekts geborene individuelle Kunst: Neocraft, wie Kunstwissenschaftler diesen Trend nennen. Neue angewandte Kunst.» Und er verweist auf Diedrich Diederichsens Forderung, sich aus dem metakünstlerischen Diskurs auszuklinken und zum Objekt, zum einzelnen Werk zurückzukehren. Die Zeitschrift, die Johanssen jetzt lanciert hat, heisst denn auch «Objects». Sie ist selbst ein Objekt von Interesse, mit Abbildungen und Essays – etwa dem sehr lesenswerten konsum- und designkritischen Text des New Yorker Grafikers Scott Ballum.

Viele «Objekte» bietet die Hauptausstellung, die mit 40 international renommierten Neocraft-Künstlern ein Panorama dessen präsentiert, was der Gebrauchsgrafiker tut, wenn er träumt. Klar, dass auch ein Young Illustrators Award nicht fehlen darf. In der Kategorie Illustration wurde er der jungen Zürcherin Alina Günter und dem Argentinier Christian Montenegro verliehen.

Die beiden haben zwei völlig unterschiedliche Stile, die, wie die gesamte Illustrative, von der grossen Bandbreite der zeitgenössischen Grafik zeugen. Günter thematisiert Erinnerungsmechanismen auf kargen schwarzweissen Blättern: ein Koffer und sein Schatten, Restposten einer Reise; eine Textspur, die ausfranst wie eine Spur im Sand. Montenegro dagegen verwandelt mathematische Formen – Kreise, Dreiecke, Linien – in einen farbigen Zerberus, einen bunten Punk. Angewandt wird diese Kunst auf die Swatch-Uhr, die Montenegro, als Hauptgewinner, gestalten darf. Neocraft geht mit der Zeit. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2008, 22:08 Uhr

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