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Bitte keine Bilder an die Wand hängen!

Es wird viel Geld in den Ausbau von Museen gesteckt – dabei könnte Kunstvermittlung auch ganz anders aussehen, findet Philipp Meier.

Computerillustration der geplanten Erweiterung Kunsthaus Zürich mit Blick über den Heimplatz auf die Fassade mit neuem Haupteingang.
Computerillustration der geplanten Erweiterung Kunsthaus Zürich mit Blick über den Heimplatz auf die Fassade mit neuem Haupteingang.
Keystone
Computerzeichnung des Projektes zur Erweiterung des Kunsthauses Zürich des britischen Architekten David Chipperfield.
Computerzeichnung des Projektes zur Erweiterung des Kunsthauses Zürich des britischen Architekten David Chipperfield.
Keystone
Altbundesrat und Liebhaber der Bilder von Albert Anker, Christoph Blocher mit einer Leihgabe für die Albert Anker Ausstellung zum 100. Todestag des Künstlers am Donnerstag, 6. Mai 2010 im Kunstmuseum in Bern.
Altbundesrat und Liebhaber der Bilder von Albert Anker, Christoph Blocher mit einer Leihgabe für die Albert Anker Ausstellung zum 100. Todestag des Künstlers am Donnerstag, 6. Mai 2010 im Kunstmuseum in Bern.
Keystone
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Zürich ist eine Kulturstadt und beherbergt gleichzeitig das grösste Entwicklungszentrum von Google ausserhalb der USA. Was wie ein banaler Nebensatz aus einem Stadtmarketingfaltblatt klingt, birgt kulturpolitische Sprengkraft. Auf den ersten Blick macht die Gegenüberstellung von «Kulturstadt» und «Google» wenig Widersprüchliches sichtbar. Für viele ist die Kunst der Inbegriff für Innovation und Kreativität und genau dieselben zwei Begriffe sind wichtige Bausteine im Erfolg von Google. Von der Form her stehen sich jedoch zwei Welten diametral gegenüber: hier das behäbige, altbekannte Institutionelle und dort das schnelle, unfassbare Internet.

Diese Ausführungen sollen nicht das eine gegen das andere ausspielen. Museen, Theater und Opernhäuser sind wichtige Kunstvermittlungsorte und leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Attraktivität der Stadt Zürich. Auch der Umstand, dass in den nächsten Jahren die Ausstellungsflächen im Kunsthaus, Landesmuseum und anderen Kunstinstitutionen massiv ausgebaut werden sollen, ist an und für sich nicht weiter beunruhigend. Dass im Zuge dieser Investitionen in das Kulturangebot der Stadt Zürich keine Diskussion darüber stattfindet, wie Kunst auch noch vermittelt werden könnte, zeugt jedoch von wenig Weitsicht.

Vorteil Smartphones

Im neuen Jahrhundert, das immerhin schon eine Dekade zählt, sind noch viele andere Formen der Kunstvermittlung denkbar, als einfach nur ein Bild an die Wand zu hängen und zu warten, bis die Leute es anschauen kommen. Ob Theater, Museum oder Oper, die institutionelle Kunstvermittlung verschlingt viel Geld, bis die Leute dann endlich in den Kunstgenuss kommen. Das kunstinteressierte Publikum muss, bei einem solch grossen Angebot wie in Zürich, intensiv umworben werden. Die Häuser und ihre gesamte Infrastruktur müssen gemietet und unterhalten werden. Gleichzeitig bleibt, global betrachtet, das Einzugsgebiet und die Wirkungskraft verschwindend klein.

Das Internet ist bestimmt kein Allheilmittel, es verändert jedoch unsere Gesellschaft von Grund auf. Der Einschnitt wird eine ähnliche Umwälzung und Nachhaltigkeit entwickeln wie die Erfindung des Buchdruckes. So ist inzwischen beispielsweise der weltgrösste Musikhändler ein Computerhersteller und keine Plattenfirma mehr. Viele Menschen besitzen inzwischen Smartphones und können von überall her aufs Internet zugreifen. Nicht nur unterwegs und am Arbeitsplatz, sondern auch am Abend und an den Wochenenden sitzen immer mehr Leute zu Hause am Computer; und, was ganz wichtig ist: Am Computer zu sitzen, ist etwas ganz anderes, als vor dem Fernseher oder im Zuschauersaal eines Theaters zu sitzen respektive im Museum vor einem Bild zu stehen. Hier können alle gleichzeitig lesen und schreiben, zeigen und betrachten, spielen und zuschauen, Kunst machen oder Kunst geniessen. Und im Gegensatz zu den Kunstinstitutionen kennt das Internet weder Öffnungs- noch Spielzeiten.

Tor in die Zukunft

Es versteht sich von selbst, dass die Kunstvermittlung im Internet nicht nichts kosten würde. Im Gegensatz zu den statischen Kunstvermittlungsformen im Theater oder Museum bietet sie jedoch eine enorme Agilität, einen riesigen Spiel- und Inszenierungsraum und könnte nebenbei auch gleich noch das absehbare Wegbrechen der Kulturberichterstattung in den traditionellen Medien abfedern. Google wird tagtäglich millionenfach als Informationstor zur Welt benutzt. Wieso soll Zürich Google nicht als Tor in die Zukunft der Kunstvermittlung benutzen?

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