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Das Kind von Mode und Hass

Der Punk-Erbe Joe Corre will seine Sammlung verbrennen.

Joe Corre ist der Sohn des Sex-Pistols-Managers Malcolm McLaren und der Mode­designerin Vivienne Westwood. Foto: Jon Furniss (WireImage)
Joe Corre ist der Sohn des Sex-Pistols-Managers Malcolm McLaren und der Mode­designerin Vivienne Westwood. Foto: Jon Furniss (WireImage)

«Dass die Queen dem Punk-Jubiläum 2016 ihren offiziellen Segen gibt, ist das Furchterregendste, was ich in meinem Leben gehört habe», sagte er. «Irgendetwas läuft schrecklich schief. Punk ist nicht mehr Veränderung, sondern ein verdammtes Museumsstück.»

Daraufhin kündigte Joe Corre an, seine fünf Millionen Pfund teure Sammlung von Punk-Erinnerungen zu verbrennen. Corre ist nicht irgendwer: Er ist das Punk-Baby, der Sohn des Sex-Pistols-Managers Malcolm McLaren und der Mode­designerin Vivienne Westwood. Er verdanke seine Zeugung, dass seine Mutter McLaren ihren Slip überreichte, und seine Existenz, dass sie das Geld für die Abtreibung in ein himmelblaues Kleid investierte und den Termin verpasste.

Corre wuchs im Chaos auf. Die Eltern führten einen Modeladen namens Sex, verkauften Sadomaso-Kleidung und – nachdem dies zu langweilig geworden war – Kleider aus Müll. Regelmässig warfen Bürger die Scheiben ein, und Abends las die Mutter den Kindern die Geschichte der Französischen Revolution vor.

Corres Vater McLaren gründete 1977 zur Modevermarktung eine Band mit den übelsten Typen, die er finden konnte. Der Durchbruch kam am silbernen Kronjubiläum der Queen, als die Sex Pistols das Ständchen «God Save the Queen» sangen. Die Polizei kam, der Skandal – und der Punk war geboren als Kind von Mode und Hass.

Corres Weg kopierte seine Eltern: mit Sex, Provokation und Slips – nur sehr originell, sehr verspielt. Zusammen mit seiner Frau gründete er 1994 die eigene Sexboutique: Agent Provocateur. Und da er die Ware entsetzlich fand – «kein Wunder, verbrannten die Feministinnen ihre BHs, die Teile waren wirklich hässlich» –, entwarf er eine eigene Linie: schmetterlingshafte, sauteure Unterwäsche. «Exquisit!», lobte seine Mutter: «Endlich geht die Mode Richtung Nacktheit.»

Dieses Urteil teilten erst Künstler, dann Topmodels, dann viele Leute mit Brieftasche. Agent Provocateur wurde zur Weltmarke. Und hatte 2007 Ärger mit der Polizei. Weil Corre einen Slip mit der Anti-Golfkriegs-Aufschrift «The only Bush I trust is mine» entworfen hatte. Im gleichen Jahr, nach der Scheidung, verkaufte das Ex-Ehepaar die Firma für 60 Millionen Pfund.

Corres Vater, der Punk McLaren, muss ein widerlicher Vater gewesen sein: eifersüchtig auf Mutter und Sohn. Als der krebskranke McLaren in der Schweiz im Sterben lag, fuhr Corre zu ihm. Sie versöhnten sich, doch nach dem Begräbnis erfuhr Corre, dass McLaren ihn noch sterbend enterbt hatte.

Doch Corre, der als so freundlich wie seine Mutter geschildert wird, hält trotzdem dem borstigen Geist seines Vaters die Treue. «Ein taubes Gefühl liegt über England. Die Leute haben keine Stimme, sie kämpfen nicht mehr», sagte er: «Es ist wie 1976. Wir müssen die ganze Scheisse noch einmal explodieren lassen.»

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