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Der fehlende Kopf kam aus der Schweiz

Ein Meisterwerk des Mithras-Kults wurde im Krieg zerstört und geplündert. Dank eines Schweizer Archäologen ist das Relief nun wieder zusammengesetzt.

Mithras hat seinen Kopf wieder: Das rekonstruierte Relief im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe, 29. Januar 2014.
Mithras hat seinen Kopf wieder: Das rekonstruierte Relief im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe, 29. Januar 2014.
Keystone

Entstanden ist das Mithras-Relief aus Rom ungefähr im Jahr 150 n. Chr. Eine Höhle in Tor Cervara bei Rom diente etwa 250 Jahre lang den Mithras-Gläubigen als Kultstätte. Danach geriet sie in Vergessenheit, keiner kümmerte sich darum. Bis 1943 ein US-Flugzeug eine Bombe auf die Höhle abwarf. Die Detonation sprengte das Relief in viele Einzelteile. Irgendwann in der Nachkriegszeit muss dann jemand durch den Bombentrichter in die Höhle geklettert sein. Kunsträuber holten die besten Stücke heraus.

Erst Mitte der sechziger Jahre wurde das Denkmalamt in Rom, die Soprintendenza, auf die Höhle aufmerksam. «Da fing das Puzzle-Spiel an», erklärt die Museumskuratorin. Im Thermenmuseum versuchten Restauratoren, die Bruchstücke zusammenzusetzen.

Aber ein Stierkopf und der Kopf des Gottes Mithras mit einem Teil des Oberkörpers fehlten. Die für den Kult typische Darstellung zeigt den ursprünglich persischen Gott, wie er einen Stier tötet - der Tod des Tieres sollte neues Leben bringen.

Schweizer Archäologe löst das Puzzle

Weil das Relief unvollständig blieb, wanderte es ins Depot, geriet wieder in Vergessenheit. Dann kam Karlsruhe ins Spiel: 1976 bot eine Kunsthändlerin in Bern dem Badischen Landesmuseum den Kopf eines Mithras-Reliefs an. Das Museum stellte Recherchen an, fand aber keinen Hinweis auf den Ursprung des Fragments. So wurde der Kopf für 60'000 D-Mark gekauft.

Die fehlende Verbindung zwischen dem Karlsruher Mithras-Kopf und dem Depot in Rom stellte 1987 der Schweizer Archäologe Rolf Stucky her. «Das Relief im Thermenmuseum in Rom lernte ich durch eine italienische Kollegin kennen», erklärt der Professor. «Mir fiel sofort die dreieckige 'Leerstelle' mit dem fehlenden Mithras-Kopf auf.» Diese haben genau zu dem Karlsruher Fragment gepasst. Dieses kannte er von einer Kopie in Bern.

Stucky fügte Fotos der Teile zu einer Collage zusammen. Das Ergebnis war überzeugend. Das Museum in Karlsruhe setzte sich mit den Behörden in Rom in Verbindung. Nach einer 2007 von Deutschland unterzeichneten Unesco-Konvention können Kulturgüter, die nach 1992 unrechtmässig eingeführt wurden, von den Herkunftsländern zurückgefordert werden. Der Karlsruher Mithras-Kopf mit seiner Anschaffung im Jahr 1976 wird davon nicht erfasst.

Stierkopf weiterhin vermisst

Statt eines langwierigen Verfahrens fanden die Badener und die Römer einen gangbaren Weg. Das Thermenmuseum schickte das Relief Ende vergangenen Jahres nach Karlsruhe, wo es mit dem Kopf zusammengefügt wurde.

Das vervollständigte Mithras-Relief - nur der Kopf des Stieres wird weiter vermisst - wird dann nach Abschluss der Karlsruher Ausstellung «Imperium der Götter» am 18. Mai für zehn Jahre nach Italien ausgeliehen.

Im Gegenzug bekommt Karlsruhe dann eine Leihgabe aus Rom. «Wir suchen uns was Schönes aus», sagt Katarina Horst.

SDA

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