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«Der nackte Körper soll weniger Aufsehen erregen»

Für das «Body and Freedom Festival» strömen diese Woche Nacktkünstler nach Zürich. Initiant Thomas Zollinger sagt, was er mit der Nacktkunst erreichen will.

Ende August wird es auf der Zürcher Rathausbrücke 18 Nackt-Performances geben.
Ende August wird es auf der Zürcher Rathausbrücke 18 Nackt-Performances geben.
Gian Ehrenzeller, Keystone
Das Kunstprojekt wird ganz verschiedene Körper enthüllen: von jung bis alt, von schlank bis dick.
Das Kunstprojekt wird ganz verschiedene Körper enthüllen: von jung bis alt, von schlank bis dick.
Stefan Meyer, Keystone
Ein nackter Mann steht auf dem Guisanplatz, im Rahmen eines Spaziergangs mit Nacktakzenten, einer Kunstaktion von Thomas Zollinger, aufgenommen am Samstag, 17. Mai 2014, in Biel.
Ein nackter Mann steht auf dem Guisanplatz, im Rahmen eines Spaziergangs mit Nacktakzenten, einer Kunstaktion von Thomas Zollinger, aufgenommen am Samstag, 17. Mai 2014, in Biel.
Gian Ehrenzeller, Keystone
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Herr Zollinger, beim «Body and Freedom Festival» sollen Künstler den nackten Körper im öffentlichen Raum inszenieren. Was muss man sich darunter vorstellen?

Im Theater und in den Kunsthäusern ist es normal, mit Nacktheit zu arbeiten; im öffentlichen Raum jedoch nicht. Mir geht es darum, das Potenzial des nackten Körpers auch für die künstlerische Gestaltung im öffentlichen Raum zu zeigen.

Das heisst?

Beim Festival wird es interaktive und skulpturale Performances geben, die auf die Architektur eines Platzes Bezug nehmen.

Welchen Stellenwert hat Nacktheit heute?

Wir leben mit einer seltsamen Zweiteilung: In der Öffentlichkeit des Internets scheinen die Menschen die Scheu verloren zu haben, sich nackt zu präsentieren. Auch konsumieren sie dort Nacktheit ganz selbstverständlich. Aber wenn die Menschen in der Öffentlichkeit mit Nacktheit konfrontiert sind, haben plötzlich viele ein Problem damit.

Was möchten Sie beim Publikum auslösen?

Es wäre schön, die Leute würden über ihr Verhältnis zum eigenen Körper nachdenken. Und über die Verhaltensnormen, die im öffentlichen Raum gelten. Weshalb ist es im Sommer zwar okay, sich leicht zu kleiden, aber bei den primären Geschlechtsteilen ziehen wir eine Grenze? Weshalb darf ein Mann oben ohne sein, eine Frau aber nicht?

Der weibliche Körper ist stärker sexualisiert.

Ja, und ich bin der Meinung, dass jeder und jede frei soll wählen dürfen, wie er oder sie herumläuft. Der nackte Körper soll generell weniger Aufsehen erregen.

Bei Pussy Riot ist Nacktheit politisch, bei Miley Cyrus und Kim Kardashian ist sie Mittel zur Selbstvermarktung. Inwiefern besteht die Gefahr, dass in diesem Spannungsfeld Ihr Aussagewunsch beim Publikum untergeht?

Die Kunst hat generell das Problem, dass ihr Wert nicht immer erkannt wird. Wir versuchen deshalb, mit unserem Abendprogramm einen Beitrag zur Kunstvermittlung zu leisten – die Fragen nach dem Warum oder nach den Blickwinkeln sollen dort diskutiert werden. Ich bin aber überzeugt, dass ein Grossteil des Publikums sehr wohl zwischen Kunst und dem reinen Aufmerksamkeit-Erhaschen differenzieren kann.

Dennoch: Auch die Festival-Ankündigung wurde kontrovers diskutiert. Überdeckt der Skandalwert nicht den künstlerischen Wert?

Die Gefahr besteht. Aber ich glaube nicht, dass sie sehr gross ist. Auch im Vorfeld zum Festival in Biel von 2015 gab es diese Diskussionen. Während der Performances war die Stimmung jedoch friedlich – die meisten Leute auf der Strasse amüsierten sich und fanden das mutig.

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