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«Der Schuss ist hinten rausgegangen»

Vom Selfie-Verbot im Museum of Contemporary Art in Sydney hält Pipilotti Rist nichts. Die Besucher sollen selbst entscheiden können, wie sie die Ausstellung betrachten.

Brachte mit der Ausstellung «Sip My Ocean» das Museum für Zeitgenössische Kunst in Sydney an seine Grenzen: Die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist. (Archivbild)
Brachte mit der Ausstellung «Sip My Ocean» das Museum für Zeitgenössische Kunst in Sydney an seine Grenzen: Die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist. (Archivbild)
Gian Ehrenzeller, Keystone
Vom Geheimtipp zum Kassenschlager: Die Wahl von Pipilotti Rist sei für die diesjährige Ausstellung ein Risiko gewesen, sagte die Direktorin des MCA. Dennoch setzten sie auf die Künstlerin aus der Schweiz und können sich über die positive Resonanz nicht beklagen.
Vom Geheimtipp zum Kassenschlager: Die Wahl von Pipilotti Rist sei für die diesjährige Ausstellung ein Risiko gewesen, sagte die Direktorin des MCA. Dennoch setzten sie auf die Künstlerin aus der Schweiz und können sich über die positive Resonanz nicht beklagen.
Sean Davey/EPA
Komplexe Themen einfach und fantasievoll dargestellt: Pipilotti wählte einen ganz eigenen Ansatz für ihre Ausstellung. Beispielsweise laden Sofas und Betten die Besucher zum Verweilen und Geniessen der Videovorführungen ein.
Komplexe Themen einfach und fantasievoll dargestellt: Pipilotti wählte einen ganz eigenen Ansatz für ihre Ausstellung. Beispielsweise laden Sofas und Betten die Besucher zum Verweilen und Geniessen der Videovorführungen ein.
Sean Davey, Keystone
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Sie haben mit Ihrer Ausstellung «Sip My Ocean» das Museum für Zeitgenössische Kunst in Sydney an seine Kapazitätsgrenzen gebracht. Wieso begeistern Sie gerade die Australier?

Danke für die Nachfrage, aber in allen vorhergehenden sechs Institutionen, in denen ich zu einer Einzelausstellung eingeladen war, machten wir den jeweiligen Besucherrekord des Hauses. Schon 2012 im Kunstmuseum St. Gallen mit der Ausstellung «Blutbetriebene Kameras und quellende Räume», 2015 in der Kunsthalle Krems mit «Komm Schatz, wir stellen die Medien um & fangen nochmals von vorne an», 2016 im Zürcher Kunsthaus mit «Dein Speichel ist mein Taucheranzug im Ozean des Schmerzes», im New Museum New York mit «Pixel Forest» und eben jetzt mit «Sip My Ocean» im Museum of Contemporary Art Sydney kamen sehr viele Besucherinnen. Die Mühen und Präzision meiner Mitarbeiterinnen und mir scheinen sich gelohnt zu haben, ich freue mich enorm.

Was bräuchte es, damit sich die Schweizer in diesem Ausmass für Kunst interessieren würden?

Die Schweizerinnen sind sehr kunst- und kulturinteressiert. Das macht uns grad aus. Schauen Sie sich auch den Erfolg der wahrlich guten Ausstellung «Heimat» im Stapferhaus Lenzburg an. Mir scheinen Gemeinsamkeiten einzelner Menschen und von Völkern viel grösser als deren Unterschiede, nur sind diese schneller und deutlicher sichtbar.

Laut der Direktorin des MCA Elizabeth Ann MacGregor hätten auch die sozialen Medien einen grossen Teil zum Erfolg Ihrer Ausstellung beigetragen. Wie verändern die sozialen Medien die Kunst?

Die Mund-zu-Mund-Werbung wird damit verstärkt und verschnellert. Der Zugriff zu Information ist besser verteilt und leichter zugänglich, auch ist die soziale Durchlässigkeit besser.

Das MCA hat ein Selfie- und Smartphone-Verbot eingeführt, um die Besucher vom Verweilen abzuhalten. Ist dies in Ihrem Sinne?

Wie der Artikel erzählte, war dies ein Versuch des Museums selber, den Besucherfluss zu beschleunigen. Der Schuss sei aber hinten rausgegangen, da so noch mehr Leute kamen, oder viele nochmals, weil sie die Ausstellung noch Smartphone-frei erleben wollten. Ich persönlich finde, die Besucherinnen können selber entscheiden, was sie machen, solange sie die andern Besucher nicht ignorieren oder stören. Wenn Gespräche und Lächeln unter Wildfremden passieren, ist das am meisten in meinem Sinne.

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