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«Die Brutalität des Krieges erscheint bei ihr niemals schreiend im Bild»

Eine Ausstellung zeigt Bilder der Kriegsfotografin Anja Niedringhaus, die vor einer Woche in Afghanistan ums Leben kam. Anne Marie-Beckmann, langjährige Freundin und Förderin, spricht über ihr Werk.

«Sie wollte nicht den Krieg zeigen, sondern das, was der Krieg mit den Menschen macht»: Die am 4. April in Afghanistan erschossene Kriegsfotografin Anja Niedringhaus.
«Sie wollte nicht den Krieg zeigen, sondern das, was der Krieg mit den Menschen macht»: Die am 4. April in Afghanistan erschossene Kriegsfotografin Anja Niedringhaus.
Peter Dejong, Keystone
«Die ganze Haltung des Soldaten zeigt seine Mutlosigkeit, dieses Verlorensein»: Ein deutscher Soldat feiert seinen Geburtstag in der Bergregion von Feyzabad, im Osten von Kunduz/Afghanistan. (September 2009)
«Die ganze Haltung des Soldaten zeigt seine Mutlosigkeit, dieses Verlorensein»: Ein deutscher Soldat feiert seinen Geburtstag in der Bergregion von Feyzabad, im Osten von Kunduz/Afghanistan. (September 2009)
Anja Niedringhaus, Keystone
Palästinensische Jugendliche geniessen eine Fahrt auf einem Karussell im Vergnügungspark ausserhalb von Gaza-­Stadt. (März 2006)
Palästinensische Jugendliche geniessen eine Fahrt auf einem Karussell im Vergnügungspark ausserhalb von Gaza-­Stadt. (März 2006)
Anja Niedringhaus, Keystone
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Frau Beckmann, was zeichnet Anja Niedringhaus’ Werk aus?

Anjas Bilder gehen weit über den Informationswert hinaus: Sie zeigen ihren Instinkt, ihr Gespür. Als Kriegsfotografin hat man ja nicht wie eine Künstlerin Zeit, zu schlendern, zu warten, zu kucken. Das geht ja alles sehr, sehr schnell. Zum einen war sie oft mit Soldaten unterwegs, musste sich deren Tempo anpassen. Zum anderen will die Nachrichtenmaschinerie einfach Bilder haben. In alledem bewahrte sich Anja ihr extremes kompositorisches Gespür. Sie fand einen Rahmen, innerhalb dessen sich jedes Bild auf das Wesentliche konzentrieren konnte. Sie wollte nicht den Krieg zeigen, sondern das, was der Krieg mit den Menschen macht. Anja hatte das Gespür einer Journalistin, aber das Auge einer Künstlerin.

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