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«Die Brutalität des Krieges erscheint bei ihr niemals schreiend im Bild»

Eine Ausstellung zeigt Bilder der Kriegsfotografin Anja Niedringhaus, die vor einer Woche in Afghanistan ums Leben kam. Anne Marie-Beckmann, langjährige Freundin und Förderin, spricht über ihr Werk.

Leonie Krähenbühl
«Sie wollte nicht den Krieg zeigen, sondern das, was der Krieg mit den Menschen macht»: Die am 4. April in Afghanistan erschossene Kriegsfotografin Anja Niedringhaus.
«Sie wollte nicht den Krieg zeigen, sondern das, was der Krieg mit den Menschen macht»: Die am 4. April in Afghanistan erschossene Kriegsfotografin Anja Niedringhaus.
Peter Dejong, Keystone
Afghanische Männer fotografieren kanadische Soldaten des Royal Canadian Regiments auf ihrer Patrouille in Salavat. Als die kanadische Patrouille kurz darauf das Dorf verlässt, wird sie mit Handgranaten angegriffen. (September 2010)
Afghanische Männer fotografieren kanadische Soldaten des Royal Canadian Regiments auf ihrer Patrouille in Salavat. Als die kanadische Patrouille kurz darauf das Dorf verlässt, wird sie mit Handgranaten angegriffen. (September 2010)
Anja Niedringhaus, Keystone
Am Boden des Leichenschauhauses vor dem Krankenhaus Al-Jalaa in Bengasi, Libyen, liegen gebrauchte Untersuchungshandschuhe, nachdem zahlreiche tote und verletzte Rebellenkämpfer eingeliefert wurden. (März 2011)
Am Boden des Leichenschauhauses vor dem Krankenhaus Al-Jalaa in Bengasi, Libyen, liegen gebrauchte Untersuchungshandschuhe, nachdem zahlreiche tote und verletzte Rebellenkämpfer eingeliefert wurden. (März 2011)
Anja Niedringhaus, Keystone
An einem Kontrollpunkt in der schwer bewachten Stadt Falludscha im Irak steckt auf einem Stock ein Puppenkopf. (Februar 2005)
An einem Kontrollpunkt in der schwer bewachten Stadt Falludscha im Irak steckt auf einem Stock ein Puppenkopf. (Februar 2005)
Anja Niedringhaus, Keystone
Ein amerikanischer Marineinfanterist der 1. Division trägt ein GI-Joe-­Maskottchen als Glücksbringer in seinem Rucksack, während seine Einheit tiefer in den westlichen Teil von Falludscha im Irak vordringt. (November 2004)
Ein amerikanischer Marineinfanterist der 1. Division trägt ein GI-Joe-­Maskottchen als Glücksbringer in seinem Rucksack, während seine Einheit tiefer in den westlichen Teil von Falludscha im Irak vordringt. (November 2004)
Anja Niedringhaus, Keystone
Palästinensische Jungen spielen mit einem Telefon, das sie in den Trümmern eines Hauses ins Ost-­Dschabaliya, im nördlichen Gazastreifen, fanden. Israel hatte eine 22-­Tage-­Offensive gegen Gaza geführt, um den Raketenbeschuss der Hamas auf Südisrael zu beenden. (Januar 2009)
Palästinensische Jungen spielen mit einem Telefon, das sie in den Trümmern eines Hauses ins Ost-­Dschabaliya, im nördlichen Gazastreifen, fanden. Israel hatte eine 22-­Tage-­Offensive gegen Gaza geführt, um den Raketenbeschuss der Hamas auf Südisrael zu beenden. (Januar 2009)
Anja Niedringhaus, Keystone
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Frau Beckmann, was zeichnet Anja Niedringhaus’ Werk aus?

Anjas Bilder gehen weit über den Informationswert hinaus: Sie zeigen ihren Instinkt, ihr Gespür. Als Kriegsfotografin hat man ja nicht wie eine Künstlerin Zeit, zu schlendern, zu warten, zu kucken. Das geht ja alles sehr, sehr schnell. Zum einen war sie oft mit Soldaten unterwegs, musste sich deren Tempo anpassen. Zum anderen will die Nachrichtenmaschinerie einfach Bilder haben. In alledem bewahrte sich Anja ihr extremes kompositorisches Gespür. Sie fand einen Rahmen, innerhalb dessen sich jedes Bild auf das Wesentliche konzentrieren konnte. Sie wollte nicht den Krieg zeigen, sondern das, was der Krieg mit den Menschen macht. Anja hatte das Gespür einer Journalistin, aber das Auge einer Künstlerin.

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