Die Fliege ist wohlauf

Entwarnung von der Art Basel: Das Kunstwerk von Katharina Fritsch wurde vom Podest gestossen, dabei aber nicht beschädigt.

Sie stürzte vom Sockel: Die Plastik «Fliege» von Katharina Fritsch. Foto: PD

Sie stürzte vom Sockel: Die Plastik «Fliege» von Katharina Fritsch. Foto: PD

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Heruntergefallen ist sie am Samstag, die Fliege der deutschen Künstlerin Katharina Fritsch. Das Malheur passierte am Messestand der New Yorker Matthew Marks Gallery an der Art Basel. Ein Kleinkind habe das 50'000 Euro teure Kunstinsekt vom Podest gestossen, hiess es. Dabei seien dessen Flügel zerbrochen und das Kunstwerk nachhaltig beschädigt worden. Verbreitet wurde die Meldung am Sonntag von der deutschen Boulevardzeitung «Bild».

Sie veröffentlichte auch noch eine Fotografie dazu, auf der die Situation nachgestellt wurde. Am linken Rand des Fotos sehen wir einen Kinderwagen mit einem Kleinkind, dessen Gesicht wohl aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes verwischt worden ist, obwohl es sich kaum um den Täter gehandelt haben dürfte. Daneben erhebt sich ein weisser, leerer Sockel, auf dem der ursprüngliche Standort der Fliege vermutet werden muss. Ein roter Pfeil zeichnet die Flugkurve der Fliege nach, die zur Erklärung der Situation so in das Bild hineinkopiert wurde, dass sie rücklings am Boden liegt.

«Kleinkind schmeisst Schmeissfliege auf den Boden», hiess die Schlagzeile; die Meldung wurde neben Medien wie dem «Spiegel» auch von der Redaktion Tamedia verbreitet.

Am Montag folgte die Entwarnung aus Basel: Die Skulptur sei beim Runterfallen nicht zerstört worden. Die Presseabteilung der Art Basel teilte routiniert mit: «Wir haben Kenntnis von dem Fall. Uns wurde aber von der Galerie versichert, dass dem Kunstwerk nichts geschehen ist.»

Jede Galerie muss ihre Kunstwerke zwingend versichern

Dennoch möchte man natürlich wissen, was im Falle einer Beschädigung geschehen wäre. Die Art Basel lässt verlauten, dass jede Galerie auf der Messe ihre Kunstwerke zwingend versichern müsse. Das gehöre zu den schriftlich festgehaltenen Teilnahmebedingungen.

Nun fragt sich natürlich, was denn so eine Versicherung zahlen würde. Da der makellose Urzustand eines beschädigten Werkes selten wiederhergestellt werden kann, zahlt die Versicherung in der Regel die Wertverminderung, es sei denn, der Versicherungsnehmer habe in seinem Vertrag ausdrücklich festhalten lassen, dass der Verkehrswert entschädigt werden muss.

«Im Vordergrund steht die Haftung der Eltern»

Ein Rechtsexperte gibt auf Anfrage folgende Erläuterungen zum Fall: «Haftbar ist grundsätzlich der Täter, vorliegend hier das Kind. Es gibt eine Haftung der Eltern, falls sie ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind.» Auch der Galerist haftet bei der Beschädigung eines Werkes, das er ausgestellt hat – allerdings nur dann, wenn die Täterschaft nicht belangt werden kann. Wenn das Kunstwerk Eigentum der Galerie ist, dann trägt die Galerie den Schaden respektive deren Versicherung.

Falls das Kunstwerk der Künstlerin Katharina Fritsch gehörte und der Galerie nur in Kommission übergeben wurde, haftet die Galerie nur dann, wenn das Kunstwerk in ungeeigneter Weise ausgestellt wurde, zum Beispiel auf dem Boden, wo alle Besucher durchgingen, oder auf einem Sockel, wo jedes Kleinkind hingreifen kann. Aber auch für solche Fälle habe die Galerie mit Sicherheit eine Versicherung, sagt der Experte.

Schliesslich ist denkbar, dass das Kunstwerk einem Kunden der Galerie gehört und der Galerie in Kommission eingereicht wurde. Dann ist die Rechtslage gleich wie bei der Kommissionseinlieferung durch die Künstlerin. «Im Vordergrund steht sicherlich die Haftung der Eltern wegen Verletzung der Aufsichtspflicht.»

Erstellt: 17.06.2019, 17:01 Uhr

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