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«Die Kunstwelt funktioniert wie ein Herrenclub»

Die Guerrilla Girls Käthe Kollwitz, Zubeida Agha und Frida Kahlo vor ihrer Ausstellung «Not Ready To Make Nice: 30 Years And Still Counting» im Abrams Art Center, New York, 30. April 2015. Foto: Andrew Hinderaker

Welches Kommando führt die Guerrilla Girls in die Schweiz?

Es ist also nicht die Recherche des Portals «Swiss Info», die Sie zu einer Guerrilla-Aktion in der Schweiz veranlasst hat? Diese hat aufgedeckt, dass 2008 bis 2018 nur 15 Prozent aller Einzelausstellungen in den grossen Schweizer Museen Künstlerinnen gewidmet waren.

Gibt es nicht ein Poster von den Guerrilla Girls, das sagt: «It’s even worse in Europe», «In Europa ist es noch schlimmer»?

Plakataktion gegen die Ausstellungspolitik des Metropolitan Museum of Art in New York, 2012. Foto: Guerrilla Girls

Es war das Moma in New York, welches Ihre erste Empörung auslöste, nicht wahr?

Wie konnten so gravierende Missstände so lange praktisch unsichtbar bleiben?

Bis Sie mit Ihren Gorillamasken kamen – warum eigentlich Gorillas?

Die Legende besagt, dass Sie Gorillamasken anzogen, weil Guerilla und Gorilla so ähnlich klingt – stimmt das?

Nun, es wäre naiv, zu erwarten, dass Jahrtausende des Patriarchats durch ein einziges feministisches Jahrhundert ausradiert werden können.

Die Masken sind heute nicht die gleichen wie am Anfang?

Sie tragen alle Namen von verstorbenen Künstlerinnen. Warum haben Sie gerade Frida Kahlo als Ihre Patronin erkoren?

Wealth and Power, Plakat aus dem Jahr 2016. Foto: Guerrilla Girls

Was im Besonderen?

Frida Kahlo war schon vor Jahrzehnten eine der ersten «wiederentdeckten» Künstlerinnen, doch erst kürzlich ging es mit der Geschichtskorrektur so richtig los. Fast jede Woche geht irgendwo eine Ausstellung vergessener Künstlerinnen auf, und Museen wie das Moma gestalten ihre Sammlungspräsentationen neu, um Frauen grössere Sichtbarkeit zu gewähren. Warum erst jetzt?

Dabei hatte man bis kurz nach der Jahrtausendwende in Europa das Gefühl, die Gleichberechtigung sei schon vollendet. Wie war das möglich?

Die soziale Stigmatisierung der Übergriffe war überfällig. Tut aber die Moralisierung des ästhetischen Urteils der Kunst gut?

Ich denke an einen Fall wie die Kontroverse um das Bild der Künstlerin Dana Schutz. Es wurde zu seiner Zerstörung aufgerufen, weil die weisse Künstlerin die Tragödie eines dunkelhäutigen Kindes dargestellt hatte.

Guerilla Girls kämpfen mit Humor, beissender Ironie, direkter Ansprache. Wurden Sie selbst nie beschuldigt, andere zu diskriminieren?

Wann zum Beispiel?

Am Mittwoch treten Sie im Kunstmuseum Basel auf. Wissen Sie, dass es dort zwischen 2008 und 2018 nur neun Prozent Künstlerinnen-Ausstellungen gab?