Die Magie der weissen Bilder

Für ihn war Weiss mehr als Leere – Robert Ryman. Nun ist der Meister der minimalistischen Malerei 88-jährig verstorben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Weiss ist die Leere schlechthin. Das glaubten wir, bis wir die abstrakten Gemälde von Robert Ryman kennen lernten. Ein ganzes Leben lang beschäftigte sich der am 30. Mai 1930 in Nashville, Tennessee, geborene Künstler mit der Farbe Weiss als Medium der künstlerischen Tätigkeit. Er kam zur Erkenntnis, dass Weiss viel mehr ist als Leere oder eine Projektionsfläche für Geschichten. Seine Bilder sollten, sagte er einmal, den Betrachter «erfreuen und ihm ein Wohlbefinden bescheren. Es ist wie beim Hören von Musik.»

Malerei ist bei Ryman eine höchst realistische Sache. Er experimentierte systematisch mit Leinwand, Stahl, Aluminium und Plexiglas. Er arbeitete mit Ölfarben, Emaillelack, Acryl, Wasserfarben, Polymerfarben, Tinte und so weiter. Er trug die Farben lasierend auf oder hinterliess dicke, fette Spuren. Und er wies immer wieder darauf hin, wie sich das Licht ganz unterschiedlich in seinen Bildern breche. Meist brauchte er für seine Weissmalereien quadratische Bilder, die auf weisse oder zumindest helle Wände gehängt werden sollten, weil alles andere nur ablenke davon, was auf dem Gemälde sich abspiele.

Er suchte, wie er in seinen raren Texten ausführte, ganz ähnliche Dinge in seiner Kunst wie Henri Matisse, Paul Cézanne oder Mark Rothko, die er zu seinen grossen Vorbildern zählte. An ihren Bildern bewunderte er die Sicherheit und Leichtigkeit, das malerische Können und die Strukturen auf der Bildoberfläche oder einfach den Verzicht auf jegliches Abbild. An seinen Bildern bewundern wir die Kraft, die Sensibilität, den Minimalismus und ja, auch eine gewisse Magie, die uns immer und immer wieder in den Bann zu schlagen vermag, sodass wir im Weiss seiner Bilder eine ungeahnte Fülle zu sehen und spüren vermögen.

Ryman machte übrigens zuerst eine Ausbildung zum Musiker. Ab 1952 studierte er in New York beim Jazzpianisten Lennie Tristano. Das Geld verdiente er daneben als Museumsaufseher im Museum of Modern Art. Damals keimte denn auch das Bedürfnis, zu malen. Ryman war Autodidakt, der nie einen Kurs in Malerei belegte. Seine Schule war das Museum, in dem er während sieben Jahren als Aufseher wachte.

Ab Mitte der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts schaffte er allmählich den Durchbruch, zuerst in New York, dann in Europa, wo er erstmals 1969 in Harald Szeemanns Überblicksausstellung «When Attitudes Become Form» in der Kunsthalle Bern vorgestellt wurde. In der Schweiz wurde er dann 1975 in der Kunsthalle Basel ausgestellt, später von Urs Raussmüllers Hallen für neue Kunst in Schaffhausen gepflegt (die allerdings 2014 schliessen mussten). Hervorragende Bestände haben die Fondation Beyeler, das Kunstmuseum Basel und der Sammler Hubert Looser, der seine Sammlung dem Kunsthaus Zürich vermacht hat.

Der Künstler wurde 2005 im Kunsthaus Zürich mit dem mit 150’000 Franken dotierten Roswitha-Haftmann-Preis ausgezeichnet. Am 8. Februar ist Robert Ryman nach langer Krankheit in New York gestorben. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.02.2019, 14:58 Uhr

Artikel zum Thema

Minimalistischer US-Maler Robert Ryman gestorben

Ryman, der mit seinen meist weissen, quadratischen Gemälden zu einem wichtigen Vertreter des Minimalismus wurde, ist tot. Er starb im Alter von 88 Jahren. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Geldblog Swissquote-Titel laden zum Kauf ein

Beruf + Berufung Sie schlug alle guten Ratschläge in den Wind

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...