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Die Tür knallt vor der Nase zu

Beim diesjährigen Swiss Art Award gingen über die Hälfte der Preise an Frauen; auch die Romandie ist ordentlich vertreten. Doch haben die Richtigen gewonnen?

Paulina Szczesniak
«Moon Doll» (l.) und «Candy»  von Tobias Madison.
«Moon Doll» (l.) und «Candy» von Tobias Madison.
Keystone
Anne Hildebrand steht vor ihrem Werk «Escape Route».
Anne Hildebrand steht vor ihrem Werk «Escape Route».
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Lebt in Paris: Die Schweizer Künstlerin Manon Wertenbroek steht vor ihrem Werk «Labdanum».
Lebt in Paris: Die Schweizer Künstlerin Manon Wertenbroek steht vor ihrem Werk «Labdanum».
Keystone
Die Rauminstallation «Pavillon» der Architekten Dries Roedet und Charlotte Truwant.
Die Rauminstallation «Pavillon» der Architekten Dries Roedet und Charlotte Truwant.
Keystone
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«Ich bin Bibliotheksmitarbeiterin.» – «Ich bin Gastdozent.» – «Ich bin Texterin.» – «Ich bin Bauarbeiter.» Diese und weitere solcher Sätze zieren die diesjährige Einladung der Swiss Art Awards, der vom Bund vergebenen Preise für Bildende Kunst. Sie beziehen sich auf die tatsächliche Nebenerwerbstätigkeit der an der aktuellen Ausgabe beteiligten Künstler. Denn von Werkverkäufen leben könne man – so steht es in winzig kleinen Lettern darunter – zu etwa 30 Prozent; der grosse Rest komme aus Stipendien, privaten Zuschüssen und, eben, einem Brotjob zusammen.

Versuchen tun’s trotzdem erstaunlich viele. 340 sind heuer beim Bundesamt für Kultur vorstellig geworden; 45 wurden eingeladen, ein Werk für die Schau einzureichen, die traditionell am Montag vor der Art Basel eröffnet. Und gerade mal 11 davon haben einen der mit 25'000 Franken dotierten Preise abgeräumt. Willkommen auf dem knallharten Boden der Tatsachen, denkt man – und dachte wohl auch Florence Jung: Ihr prämierter Beitrag besteht aus einer verschlossenen Tür. Wer die Klinke herunterdrückt, bringt die Tür nicht auf. Und wenn sie sich später wie von Geisterhand doch einen Spalt breit öffnet und man hineinschlüpfen will, wird sie einem – PÄNG! – vor der Nase zugeknallt.

Mehr Politik und weniger Huldigung?

Einlass nur für ausgesuchte Wenige, wir verstehen schon; das Konzept gilt schliesslich nicht nur im Kunstbetrieb. Von Gerechtigkeit kann man höchstens träumen. Wobei die Jury der Swiss Art Awards einmal mehr alles getan hat, den Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Knapp über die Hälfte der Preise ging an Frauen; die Romandie ist ordentlich vertreten; und von Malerei über Installation bis Multimedia ist alles dabei. So weit, so politisch korrekt.

Ob aber auch die Richtigen gewonnen haben? Wenn man sich den rosa Kopfhörer von Tobias Madisons Kinder-Ghettoblaster aufsetzt («press play and chi-i-i-ll!»), ohne etwas zu vernehmen, kommen zumindest leise Zweifel auf. Und wenn Miriam Laura Leonardi ein bisher nur als Ideenskizze existierendes Werk der Kult-Skandalnudel Valie Export nachbaut, stellt man sich unweigerlich zwei Fragen. Erstens: Sind wir jetzt in der Kunst auch schon so weit wie im Kino, dass man lieber auf Remakes und Sequels statt auf Neues setzt? Und zweitens, ob es nicht etwas mehr Politik und etwas weniger Huldigung hätte sein dürfen.

Andererseits: Was will man machen, wenn man nebendran noch in der Bibliothek oder auf dem Bau schuften muss. Vielleicht liegt bei 30 Prozent einfach nicht mehr drin.

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