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Die Welt auf einem Blatt Papier

Illustrator Saul Steinberg prägte mit seinem Stil den Auftritt des Intellektuellen-Magazins «The New Yorker». Nun würdigt ihn das Zürcher Kunsthaus mit einer Einzelausstellung - der ersten in der Schweiz.

20 Amerikaner, 1975
20 Amerikaner, 1975
© The Saul Steinberg Foundation/Pro Litteris
Frau in Badewanne, 1949
Frau in Badewanne, 1949
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Passt die Welt auf ein Blatt Papier? Reichen ein paar dünne Bleistiftstriche, ihren Lauf festzuhalten? Die erstaunliche Antwort heisst: ja, wenn man Saul Steinberg heisst. Der berühmte Illustrator, Cartoonist und Künstler, den man in Europa vornehmlich für seine Arbeit beim «New Yorker» kennt, ist mehr als bloss ein Zeichner oder Cartoonist, das zeigt die Ausstellung im Zürcher Kunsthaus.

Der Witz im Detail

Seine Zeichnungen mit Tusche, Blei- oder Filzstift sind komplexe Erzählungen, in denen Steinberg sich als genauer Beobachter und Denker, aber auch als ironischer Gesellschaftskritiker erweist. Wobei sich der Witz oft im Detail versteckt, wie sich etwa im Bild «Techniques at Party» zeigt.

Steinbergs genaue Beobachtungen verraten den Blick des Fremden. 1914 in Rumänien geboren und in Bukarest aufgewachsen, musste der gelernte Architekt jüdischer Herkunft 1941 aus Europa in die USA fliehen. 1944 erscheinen seine Zeichnungen erstmal im New Yorker, eine Zusammenarbeit, die bis zu seinem Lebensende fortgeführt wird und für die er in Europa vor allem bekannt ist.

Schnelle Karriere

In den USA erzeichnete sich Steinberg schnell einen Ruf. Schon 1945 erscheint sein erstes Buch «All in Line», das zum «Book of the Month» gekürt wird. Es folgen zahlreiche Einzelausstellungen, unter anderem im «Museum of Modern Art», 1958 nahm er für die USA an der Weltausstellung in Brüssel teil.

Ab den sechziger Jahren begann Steinberg sich auf seine Arbeiten für Galerien in den USA und Europa zu konzentrieren. Er wurde in seinen Arbeiten zunehmend politischer, aber auch detailreicher. Die Entwicklung in seinem Werk vom politischen Cartoonisten zum philosophischen Ironiker lässt sich in der chronologisch gehängten Ausstellung im Kunsthaus schön ablesen. Die meisten seiner Bilder sind Aphorismen oder gar ganze Erzählungen und verraten, dass der Romancier Steinbergers Vorbild ist. Nur anders als der Romancier erzählt Steinberg nicht linear, sondern in der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Steinberger wiederum wurde selbst zum Vorbild für so bekannte Buchautoren wie etwa Tomi Ungerer.

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