Ein Jahresplan für Kunstenthusiasten

Nach Berlin zur Biennale? Nach Palermo zur Manifesta? Oder nach Basel zu Beyeler? Das Kunstjahr 2018 bietet vielerlei Höhepunkte, weit weg und vor der Haustür.

Seine Werke kann man ab November 2018 im Whitney Museum in New York bestaunen: Andy Warhol. Foto: Whitney Museum of American Art, New York; Gift of Ethel Redner Scull (2018, Pro Litteris)

Seine Werke kann man ab November 2018 im Whitney Museum in New York bestaunen: Andy Warhol. Foto: Whitney Museum of American Art, New York; Gift of Ethel Redner Scull (2018, Pro Litteris)

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Was darfs denn sein im Kunstjahr 2018? Nach dem sehr gut bestückten 2017 – Venedig-Biennale! Rekordverkäufe! Documenta gleich zweierorts! – traut man sich ja einerseits fast nicht, gross Forderungen zu stellen. Andererseits: Angesichts der bedrohlichen weltpolitischen Lage mag einem der Sinn schon nach etwas Eskapismus stehen. Und führt man sich die Tendenz zur nationalen Abkapselung vor Augen, könnte etwas Ausweitung der Perspektive nicht schaden. Ebenso wenig etwas, das den Blick weg von der glänzenden Powerkunst hin zum Übersehenen oder Verkannten lenkt und frische, gern auch exotische Eindrücke bietet.

Und siehe da: All dies hat das Ausstellungsprogramm 2018 tatsächlich im Angebot. Neben den Big Names – die es auch gibt, liebe Blockbusterfreunde, keine Bange – bekommt man Gelegenheit, mit weniger (oder gar nicht) Bekanntem in Berührung zu kommen. Zum Beispiel gleich zu Jahresbeginn in Bern, wo das Zentrum Paul Klee mit «Touchdown» Kunst von Menschen mit Downsyndrom zeigt. Oder dann im Frühling, wenn Teresa Burga im Zürcher Migros-Museum mit Mitte Achtzig endlich doch noch Ausstellungserfahrung jenseits ihrer peruanischen Heimat sammelt.

Die von einem fast komplett afrikanischen Team kuratierte Berlin-Biennale läuft unter dem Motto der Dekolonisierung – was vielleicht wirklich «chaotisch, aber befreiend» (so die Ankündigung) wird, sicher aber eine Exkursion ins Kunstschaffen jenseits des westlichen Kanons. Und dann ist es bereits wieder Zeit für die Nomaden-Biennale Manifesta, die nach der eher lauwarmen Zürcher Ausgabe nun im ebenso heissen wie hippen Palermo gastiert. (Erneut mit Zürcher Beteiligung übrigens, weil Mirjam Varadinis vom hiesigen Kunsthaus zum kuratorischen Personal zählt.) Titel der Schau: «The Planetary Garden. Cultivating Coexistence».

Nach so viel Experimentellem kommt nun doch Lust auf Klassiker auf? Andy Warhol und Michael Jackson sollens richten, Ende Saison. Ersterer kriegt seine grösste US-Schau seit 30 Jahren, Letzterer zeigt, dass er auch in der Kunst Spuren hinterlassen hat. In dem Sinne: Love, Peace and – Moonwalk, allerseits!

Januar

Kulturhauptstadt 2018: Leeuwarden, Niederlande. Div. Projekte ab Januar.


Georg Baselitz Riehen, Fondation Beyeler. 21. 1. – 29. 4.


Touchdown: Ausstellung mit und über Menschen mit Downsyndrom. Bern, Zentrum Paul Klee. 24. 1. – 13. 5.


Katinka Bock. Winterthur, Kunstmuseum. 27. 1. – 1. 4.


Giovanni Versace: Retrospektive. Berlin, Kronprinzenpalais. 30. 1. – 14. 4.

Februar

Alicja Kwade Zürich, Haus Konstruktiv. 8. 2. – 6. 5.


Balthasar Burkhard: Retrospektive. Winterthur, Fotomuseum. 10.2. – 21.5.


Abraham Cruzvillegas. Zürich, Kunsthaus. 16. 2. – 25. 3.


Jean-Michel Basquiat. Frankfurt, Schirn-Kunsthalle. 16. 2. – 27. 5.


Charles Atlas. Zürich, Migros-Museum. 17. 2. – 13. 5.


All too human: Bacon, Freud and a century of painting life. London, Tate Britain. 28. 2. – 27. 8.

März

Atelier Oï / Collection Highlights / Ideales Wohnen. Zürich, Museum für Gestaltung, Ausstellungsstrasse. Eröffnungsfeier Standort Ausstellungsstrasse: 2./3. 3., Ausstellungen bis 30. 9.


Magritte, Dietrich, Rousseau: Visionäre Sachlichkeit. Zürich, Kunsthaus. 9. 3. – 8. 7.


Joan Jonas. London, Tate Modern. 14. 3. – 5. 8.


Keith Haring. Wien, Albertina. 16. 3. – 24. 6.


Bruce Nauman Münchenstein, Schaulager. 17. 3. – 26. 8.


Night Fever. Design und Clubkultur 1960 bis heute. Weil am Rhein, Vitra Design Museum. 17. 3. – 9. 9.


Being: New Photography 2018. New York, Moma. 18. 3. – 19. 8.


Delacroix. Paris, Louvre. 29. 3. – 23. 7.

April

Artists & Robots. Paris, Grand Palais. 4. 4. – 9. 7.


Bestandsaufnahme Gurlitt, Teil 2: Der NS-Kunstraub und die Folgen. Bern, Kunstmuseum. 13. 4. – 1. 7.


Fashion Drive: Extreme Mode in der Kunst Zürich, Kunsthaus. 20. 4. – 15. 7.


Marina Abramovic. Bonn, Bundeskunsthalle. 20. 4. – 12. 8.


Hodler / Giacometti. Winterthur, Kunstmuseum. 21. 4. – 19. 8.


Francis Bacon / Alberto Giacometti. Riehen, Fondation Beyeler. 29. 4. – 2. 9.

Mai

Luigi Ghirri. Essen, Museum Folkwang. 4. 5. – 22. 7.


Maria Lassnig. St. Gallen, Kunstmuseum. 5. 5. – 23. 9.


Su-Mei Tse. Aarau, Aargauer Kunsthaus. 5. 5. – 12. 8.


Martha Rosler / Hito Steyerl. Basel, Museum für Gegenwartskunst. 5. 5. – 9. 9.


Philippe Parreno. Berlin, Martin-Gropius-Bau. 25. 5. – 5. 8.


Teresa Burga. Zürich, Migros-Museum. 26. 5. – 12. 8.


Roman Signer St. Gallen, Kunstmuseum. 26. 5. – 12. 8.


Architektur-Biennale. Venedig. 26. 5. – 25. 11.


Imi Knoebel. Zürich, Haus Konstruktiv. 31. 5. – 2. 9.

Juni

Ernesto Neto. Zürich, Hauptbahnhof, Haupthalle (organisiert durch die Fondation Beyeler). Juni/Juli.


Juergen Teller. Winterthur, Fotomuseum. 2. 6. – 7. 10.


Fleisch. Berlin, Altes Museum. 1. 6. – 31. 8.


Riga-Biennale. 2. 6. – 28. 10.


James Turrell Baden-Baden, Museum Frieder Burda. 9. 6. – 28. 10.


Berlin-Biennale. 9. 6. – 9. 9.


Art Basel. 14. – 17. 6.


Etel Adnan. Bern, Zentrum Paul Klee. 15. 6. – 7. 10.


Manifesta 12: The Planetary Garden. Cultivating Coexistence. Palermo. 16. 6. – 4. 11.

Juli

Olaf Nicolai St. Gallen, Kunstmuseum. 7. 7. – 11. 11.


Loretta Fahrenholz. Wien, Mumok. 13. 7. – 7. 10.

August

Koki Tanaka. Zürich, Migros-Museum. 25. 8. – 11. 11.


Nina Canell. St. Gallen, Kunstmuseum. 25. 8. – 25. 11.


Robert Delaunay und Paris. Zürich, Kunsthaus. 31. 8. – 18. 11.

September

Surrealismus Schweiz. Aarau, Kunsthaus. 1. 9. – 2. 1. 2019


Balthus. Riehen, Fondation Beyeler. 2. 9. – 13. 1. 2019


Rosetsu: Fantastische Bilderwelten aus Japan. Zürich, Museum Rietberg. 6. 9. – 4. 11.


Karin Sander. Winterthur, Kunstmuseum. 8. 9. – 18. 11.


Franz West. Paris, Centre Pompidou. 12. 9. – 10. 12.


Hodler: Parallelismus Bern, Kunstmuseum. 14. 9. – 13. 1. 2019


Christian Marclay. London, Tate Modern. 14. 9. – 20. 1. 2019


Claude Monet. Wien, Albertina. 21. 9. – 6. 1. 2019

Oktober

Jeff Wall. Luxemburg, Mudam. 6. 10. – 18. 2. 2019


Kubismus. Paris, Centre Pompidou. 17. 10. – 25. 2. 2019


Thomas Hirschhorn. München, Museum Villa Stuck. 18. 10. – 3. 2. 2019


Joan Miró. Paris, Grand Palais. Oktober – Januar 2019

November

Andy Warhol New York, Whitney Museum. Ab November


Emil Nolde. Bern, Zentrum Paul Klee. 17. 11. – 3. 3. 2019


Michael Jackson: The Birth of an Icon. Paris, Grand Palais. 21. 11. – Februar 2019


Alex Katz. London, Tate Modern. 23. 11. – 17. 3. 2019

Dezember

Marcel Duchamp: 100 Fragen, 100 Antworten. Stuttgart, Staatsgalerie. 7. 12. – 31. 3. 2019


Oskar Kokoschka: Retrospektive. Zürich, Kunsthaus. 14. 12. – 10. 3. 2019

Fotos: Bayer & Mitko; Roman März; Pro Litteris, 2018, Zürich / Bisig & Bayer; Kunsthaus Zürich; Kunstmuseum St. Gallen; Florian Holzherr / Häusler Contemporary; Uwe Walter / Pro Litteris, 2018, Zürich; Peter Schälchli; Whitney Museum / Pro Litteris, 2018, Zürich

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.01.2018, 21:43 Uhr

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