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«Er wollte diese Fettecke unbedingt haben»

Eine Gruppe von Künstlern hat die berühmte «Fettecken»-Kunst von Joseph Beuys zu Schnaps verarbeitet. Beuys' Witwe ist wütend.

Kunst aus organischen Stoffen waren seine Spezialität: Joseph Beuys' «UnschlittTallow», ein Brocken aus Talg, im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin. (Bild vom 19. Januar 2006)
Kunst aus organischen Stoffen waren seine Spezialität: Joseph Beuys' «UnschlittTallow», ein Brocken aus Talg, im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin. (Bild vom 19. Januar 2006)
Keystone

«Das Urheberpersönlichkeitsrecht meines Mannes wurde in gemeiner Weise verletzt», sagte Beuys der «Bild». Vor Gericht ziehen wolle sie aber nicht. «Das sind dumme, unfein empfindende Menschen.»

Die Künstler Markus Löffler, Andree Korpys und Dieter Schmal hatten im Museum Kunstpalast aus den über 30 Jahre alten Fettresten angeblich erst 80-prozentigen Alkohol gebrannt und diesen dann zu 50-prozentigem Schnaps verdünnt. Besucher der Aktion durften den Schnaps probieren.

«Das ist kein Spass»

«Das ist nicht irgendein Blödsinn, den wir uns ausgedacht haben», sagte Korpys am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. «Das ist auch kein Spass gegenüber Joseph Beuys.» Vielmehr ordne sich die Aktion ein in das Werk des Künstlertrios, das schon aus einer Schokoladenbüste von Dieter Roth und aus blauen Farbpigmenten von Yves Klein Schnaps hergestellt hat.

Im Gegensatz zur Herstellung von Schokolikör ist das Brennen von Fettschnaps allerdings eine wahre Kunst: Fett kann man nicht zu Alkohol destillieren, ebensowenig wie man aus Blei Gold machen kann - das versprach nur die Alchemie. Deshalb passt der «Kunstgeist» der drei Künstler auch besonders gut in die Ausstellung «Kunst und Alchemie» im Düsseldorfer Kunstpalast, in deren Rahmen er hergestellt wurde.

Böser Beuys-Schüler

Die Reste der Fettecke hatte Beuys-Schüler Johannes Stüttgen zur Verfügung gestellt, auf dessen Wunsch Beuys 1982 die Fettecke in seinem Professorenatelier in der Düsseldorfer Kunstakademie angebracht hatte. 1986 nach dem Tod von Beuys hatte ein Hausmeister die Fettecke entfernt. Das Künstler-Trio hatte lange mit Stüttgen über die geplante Aktion gesprochen und erklärt, dass sie Kunst «nicht einfach zerstören, sondern rekreieren».

Über Stüttgen äusserte sich Eva Beuys besonders erbost: «Er wollte diese Fettecke unbedingt haben, hat sich von mir in einem Schriftstück bestätigen lassen, dass es ein Original und ein Kunstwerk ist.» Stüttgen habe aus dem Werk «eine Farce gemacht, gegen die mein Mann sich nicht mehr wehren kann». Auch Beuys' Tochter Jessica äusserte sich gegenüber «Bild» verstimmt: «Gerade dieses Kunstwerk war für meinen Vater in Form und Farbe ein Sinnbild der Reinheit.»

Inzwischen ist auch klar, was für ein Fett Beuys bei der Herstellung der Fettecke verwendet hatte: Es war laut einem damaligen Gutachten des Restaurierungszentrums der NRW-Landeshauptstadt Winterbutter, die wohl wegen ihrer etwas festeren Konsistenz besser zur Verarbeitung geeignet war als Sommerbutter.

(SDA)

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