Erschreckend fröhlich

Der New Yorker Künstler Donald Baechler stellt in Zürich aus.

«Um in die Kunstszene der 80er einzutauchen, mit anderen Künstlern in Kontakt zu kommen, waren Alkohol und Drogen nützlich», Donald Baechler. Foto: Giancarlo Cattaneo

«Um in die Kunstszene der 80er einzutauchen, mit anderen Künstlern in Kontakt zu kommen, waren Alkohol und Drogen nützlich», Donald Baechler. Foto: Giancarlo Cattaneo

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Donald Baechler nimmt es leicht amüsiert zur Kenntnis, wenn man in seiner übergrossen Totenkopfskulptur eine finstere, unheimliche Symbolik sieht. «Ach wissen Sie», sagte er am Samstag im Park des Baur au Lac vor der einen halben Meter hohen Bronze, «der Totenkopf ist ja längst vor allem ein Symbol der Popkultur.» Schwarze Schädel werden auf T-Shirts und Halstücher gedruckt, in Krawatten gestickt. Und: «Es gibt sogar Babywindeln mit Totenkopf.» Es ist diese ironische Seite der Totenkopfsymbolik, die Baech­ler mehr als alles andere interessiert.

Die Schädelbronze steht zusammen mit sieben anderen mittel- bis grossformatigen Skulpturen des Amerikaners im Hotelgarten. Gigi Kracht aus der Besitzerfamilie des Baur au Lac hat Baechler für ihre sechzehnte Freiluftausstellung «Art in the Park» geholt.

Baechler war in den 80er-Jahren in der New Yorker Kunstszene als eine Art Wunderkind aufgetaucht, im Umfeld von Keith Haring und Jean-Michel Basquiat. Mit dem Pop-Art-Künstler Haring teilt Baechler die auf den ersten Blick kindliche Ausdrucksweise. Diese Qualität hat es auch einem seiner frühesten Schweizer Sammler, dem Unternehmer Beat Curti, angetan: «Baechlers Figuren scheinen aus einer Märchenwelt geholt – im ersten Moment erschreckend und dann fröhlich einladend.» Curti besitzt seit dreissig Jahren einen monumental gemalten Schwan, vor zehn Jahren kam die Skulptur einer offenen Hand hinzu.

Der Art Basel bleibt er fern

Für den heute 61-jährigen Baechler ist die Kunstszene der 80er nun weit entfernt: «Um darin einzutauchen, mit anderen Künstlern in Kontakt zu kommen, waren Alkohol und Drogen nützlich.» Auf beides, sagt er, verzichte er heute. Den Kunstbetrieb beobachtet er distanzierter. Der Welt-Kunstmesse Art Basel bleibt er fern, obwohl diese in ein paar Tagen beginnt und er nun ja ohnehin in der Schweiz ist. «Ich sehe für mich da keinen Nutzen.» Dafür hängen und stehen seine Werke im Museum of Modern Art, im Guggenheim-Museum, im Centre Pompidou.

Mit seinen Skulpturen übersetzt Baechler seit einiger Zeit die Bildwelt seiner Malerei ins Dreidimensionale. «Ich musste mir das mühsam aneignen, habe zuerst Anfängerfehler gemacht.» Proportionen stimmten nicht, zu dünne Beinchen konnten massige Körper nicht tragen.

Als Anregung dient Baechler seine riesige Sammlung von Zeitungsausschnitten, Fotos, entlegenen Fundstücken. Darunter befinden sich auch alte, handgemalte Musterbücher, die Tätowierer ihren Kunden zeigen, damit diese die gewünschten Motive auswählen können. Wie weit geht seine Faszination für das Tätowieren? Baechler rollt wortlos den rechten Ärmel seines dunklen Hemds hoch. Ein tätowiertes Spinnennetz kommt zum Vorschein. Und auf dem linken Arm? Hier ist es ein Totenkopf. Gar nicht unähnlich dem Bronzeschädel im Hotelgarten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.06.2018, 19:28 Uhr

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