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Es gibt nur einen Gurlitt-Erben

Ein zweites Testament hat im Fall des verstorbenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt für Verwirrung gesorgt. Die zwei Testamente widersprechen sich aber nicht. Nun ist das Amtsgericht München am Zug.

Das Kunstmuseum Bern wurde von Cornelius Gurlitt als alleiniger Erbe eingesetzt: Zwei Schülerinnen in der permanenten Ausstellung des Museums. (8. Mai 2014)
Das Kunstmuseum Bern wurde von Cornelius Gurlitt als alleiniger Erbe eingesetzt: Zwei Schülerinnen in der permanenten Ausstellung des Museums. (8. Mai 2014)
Fabrice Coffrini, AFP

Mit dem letzten Willen des deutschen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt beschäftigt sich nun die Münchner Justiz. Zwei Testamente des Verstorbenen gingen am Dienstag beim zuständigen Nachlassgericht ein. Ein Notar aus Baden-Württemberg übersandte die Dokumente, die vom 9. Januar und 21. Februar 2014 stammen.

Das nährte zunächst Spekulationen, im zweiten Testament könnten noch weitere Erben aufgeführt sein. Das Kunstmuseum Bern hatte letzte Woche mitgeteilt, Gurlitt habe dem Haus sein komplettes Vermögen inklusive der umstrittenen, millionenschweren Kunstsammlung vermacht. Der Gerichtspräsident Gerhard Zierl sagte jedoch, «die Testamente ergänzen sich». Im zweiten würden einige Konkretisierungen vorgenommen. Zierl sprach von einem «Universalerben», ohne einen Namen zu nennen.

Innert sechs Monaten muss das Kunstmuseum Bern nun entscheiden, ob es das Erbe antreten will. Ein Teil der Sammlung steht unter Nazi-Raubkunstverdacht.

Bislang keine Ansprüche möglicher Erben

«Wird das Erbe ausgeschlagen, kommen gesetzliche Erben in Betracht», sagte Gerichtspräsident Zierl. In Gurlitts Fall wären das unter Umständen auch entfernte Verwandte – denn der Verstorbene hatte keine Kinder und war nicht verheiratet.

Als nächste Verwandte gelten gemäss Medienberichten der 93-jährige Cousin Dietrich Gurlitt und dessen 65-jähriger Sohn Ekkeheart. Letzterer hatte am Wochenende angekündigt, er erwäge eine Klage gegen das Vermächtnis Gurlitts. Es gebe Zweifel, ob der Verstorbene im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen sei, als er sein Erbe regelte. Bei Gericht sei bislang nichts eingegangen, sagte Zierl am Dienstag. Sollten Zweifel an der Testierfähigkeit Gurlitts bestehen, sei es Aufgabe des Gerichts, dies zu prüfen.

«Keine Steuermillionen für Gurlitt-Sammlung»

Das Kunstmuseum Bern gab am Dienstag keine neue Stellungnahme ab. Der Stiftungsrat des Hauses muss dereinst entscheiden, ob das Erbe angenommen werden soll. Der BDP-Kantonsparlamentarier Samuel Leuenberger will verhindern, dass am Schluss Kosten für die Allgemeinheit entstehen. In einer am Dienstag eingereichten dringlichen Motion fordert Leuenberger, dass «keine Steuermillionen» für die Übernahme und Aufarbeitung der Sammlung verwendet würden. Der Grosse Rat müsse ein Zeichen setzen.

Der zuständige Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne) liess sich nicht in die Karten blicken. Vieles bewege sich noch im Bereich des Spekulativen, sagte der bernische Kulturdirektor der «Berner Zeitung».

«Wenn es sich wirklich um eine Jahrhundertsammlung handelt, die Bern nicht entgehen sollte, und das Erbe wirklich nicht ausreicht, müssten wir weiterschauen.» Die Finanzierung dürfe kein Dogma sein. Der Kanton ist seit diesem Jahr alleiniger Subventionsgeber des Kunstmuseums Bern.

Gurlitt – der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt – war am 6. Mai nach langer schwerer Krankheit in seiner Münchner Wohnung gestorben.

SDA/kpn/rub

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