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Fragen über das Leben und dessen gewaltsames Ende

Amoklauf, Suizid, Völkermord: Das Historische Museum Bern eröffnet am Donnerstag «Mord und Totschlag. Eine Ausstellung über das Leben».

«Mord und Totschlag»: Die neue Ausstellung im Historischen Museum.
«Mord und Totschlag»: Die neue Ausstellung im Historischen Museum.
zvg

Die Schau konfrontiert Besucher in 15 Themenräumen mit grossen Lebensfragen wie: Was ist mein Leben wert? Darf man sich töten? Was tun mit Mördern?

Die Wechselausstellung beginnt mit einem Raum, in dem aufgezeigt wird, was ein Mensch - reduziert auf sein «Material» - in Franken wert ist: rund 800 Franken bei 70 Kilogramm Gewicht. Weiter geht es zur Frage, ob angesichts etwa von Passagen im Alten Testament Töten gottgefällig ist und ob politische Morde zu rechtfertigen sind.

«Völkermörder - ganz normale Menschen?» heisst es etwas weiter, bevor es anhand des Ford Pinto um Gewinnmaximierung geht. Die Firma Ford brachte etwa 1970 ein Auto auf den Markt, von dem sie wusste, dass der Tank explodieren konnte.

Amoklauf und Suizid

Die Ausstellung geht auch auf den Umgang der Polizei und der Justiz mit Gewaltverbreche(r)n ein und zeigt, wie versucht wurde, mit der sogenannten Physiognomie typische Gesichtszüge von Verbrechern zu bestimmen.

Ein weiteres Thema ist der Amoklauf und am Schluss des Rundgangs steht der Suizid. Besucherinnen und Besucher werden in diesem Raum mit Meinungen zur Selbsttötung konfrontiert.

Ganz bewusst leitet das Museum die Besucher mit Fragesätzen durch die 15 Themenräume. «Wir wollen nicht als Autorität auftreten, sondern Fragen stellen und Denkanstösse geben», sagte Museumsdirektor Jakob Messerli am Dienstag bei der Präsentation der Ausstellung vor den Medien.

Dank der Ausstellung erkenne der Besucher den Wert des eigenen Lebens und des Lebens der Mitmenschen. Das sei jedenfalls das Ziel der Ausstellung. Insofern sei es nicht eine Ausstellung über den Tod, sondern über das Leben.

Aktuelles im Historischen Museum

Laut Projektleiter Simon Schweizer ist die Grundkonstante der Ausstellung das Spannungsdreieck «Du sollst nicht töten» - es passiert trotzdem - Mord und Totschlag faszinieren. Einen guten Teil der Ausstellung widmet das Museum denn auch der Medienberichterstattung nach Gewaltverbrechen - etwa nach dem «Mord von Kehrsatz».

Für Messerli darf ein historisches Museum durchaus auch ein aktuelles Thema aufnehmen. Für einmal hole das Museum nicht Vergangenes in die Gegenwart, sondern stelle Gegenwärtiges vor dem Hintergrund des Vergangenen dar.

Konzipiert hat die Ausstellung das Historische Museum Luxemburg. Das Berner Museum hat sie angepasst. Sie ist bis zum 1. Juli 2012 in Bern zu sehen.

Ehemaliger Polizeisprecher spricht zu Dichtung und Wahrheit

Ein reichhaltiges Rahmenprogramm ergänzt die Schau. Dazu gehören Workshops für Erwachsene und für Schüler. Der frühere Polizeisprecher und Journalist Jürg Mosimann zeigt auf, wie viel Wirklichkeit in einem Krimi steckt. Und der Gerichtsmediziner Beat Kneubühl erklärt, wie Physik hilft, Verbrechen aufzuklären.

Für Schulklassen wird beispielsweise der Workshop «Wie lässt sich die Gewaltspirale bremsen?» angeboten.

Auch eine Podiumsdiskussion zum Thema Sterbehilfe gehört zum Rahmenprogramm, ebenso eine Filmreihe im Kino Lichtspiel. Und im Verlag der Neuen Zürcher Zeitung erscheint im Auftrag des Historischen Museums Bern das Buch «Straftat, Schaulust, Spurensuche. Das Buch zu ‹Mord und Totschlag›».

(SDA)

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