Galerist informierte Art Basel nicht über Millionenbusse

Pikant: Mathias Rastorfer von der Galerie Gmurzynska hat auch am Verhaltenskodex im Kunsthandel mitgearbeitet.

Sylvester Stallone spricht in der Galerie Gmurzynska in St. Moritz zu den geladenen Medien. Neben ihm sitzt Galerie-Mitbesitzer Matthias Rastorfer (rechts). Bild: Keystone

Sylvester Stallone spricht in der Galerie Gmurzynska in St. Moritz zu den geladenen Medien. Neben ihm sitzt Galerie-Mitbesitzer Matthias Rastorfer (rechts). Bild: Keystone

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Die Art Basel ist von der Bestrafung des Galeristen Mathias Rastorfer überrascht worden. Die Zollverwaltung hat ihn zu einer Busse von 3,5 Millionen Franken verurteilt, weil er dem Kunstsammler Urs Schwarzenbach bei der Umgehung von Einfuhrsteuern im Wert von über 11 Millionen Franken geholfen haben soll. Er bestreitet die Vorwürfe. Das Urteil fällte die Behörde vor drei Monaten – und trotzdem hat Rastorfer, Mitglied im Komitee der Art Basel, die Messe nicht informiert. «Wir haben erst letzten Sonntag, einen Tag vor der Messeeröffnung, aus den Medien von der Busse erfahren», sagt Kommunikationschefin Dorothea Dines.

Die Affäre kommt für die Kunstausstellung in einem denkbar ungünstigen Moment. Die Messe lancierte kürzlich eine Offensive für einen sauberen Kunstmarkt. Sie hat einen Verhaltenskodex für Galerien veröffentlicht. Die Regeln – Art Market Principles and Best Practices – wurden über Jahre von Rechtsexperten und Kunstkennern ausgearbeitet. Offenbar war Mathias Rastorfer dabei massgeblich beteiligt.

Neu gibt es ein klar definiertes Verfahren, was passiert, wenn der Art Basel potenziell strafbares Verhalten oder gar eine Verurteilung einer Galerie oder eines Kunsthändlers bekannt wird. Der Fall wird dann einem Ausschuss mit unabhängigen Fachleuten vorgelegt, der allenfalls Massnahmen vorschlägt – von einer Ermahnung bis zur Sperre der Galerie für Messen.

Rastorfer sieht kein Problem

Dieser Kodex gilt erst ab der Art Basel Miami Beach im Dezember und soll das Image der Kunstbranche verbessern. Nun wird mit Mathias Rastorfer, Partner bei der Zürcher Galerie Gmurzynska, die an der Art Basel zurzeit ausstellt, ausgerechnet ein wichtiger Förderer der neuen Ethikregeln selbst zu einer Millionenbusse verurteilt.

Rastorfer, dazu befragt, sieht kein Problem: Es handle sich um ein laufendes Verfahren. Kein Gericht habe darüber befunden, ob die Mehrwertsteuern überhaupt geschuldet seien. «Deshalb gibt es auch keinen Handlungsbedarf. Selbst wenn die Art Market Principles and Best Practices bereits anwendbar wären – was sie nicht sind –, wäre dies kein Fall, der davon erfasst wird, also auch kein Informationsbedarf», sagt er.

Oberzolldirektion erlässt Strafverfügung

Seine Reaktion wirft Fragen auf. Laut den neuen Richtlinien geht es um «potenziell» illegales Verhalten, über das die Art Basel informiert sein will. Zudem steht, dass die Fälle dann relevant sind, wenn eine Straf- oder Verwaltungsbehörde genügend Beweise für eine Anklageschrift sieht. Im Fall von Rastorfer hat die Oberzolldirektion eine Strafverfügung erlassen, die nun angefochten wurde. Sie hat ihn darin ausdrücklich zu einer Millionenbusse «verurteilt». Der Fall geht nun vor Gericht. Offenbar stellt sich Rastorfer auf den legalistischen Standpunkt, eine Strafverfügung sei kein Urteil.

Die Art Basel will sich nicht dazu äussern, wie sie den Fall einschätzt. Kommunikationschefin Dines sagt nur: «Wir nehmen die Situation ernst und schauen sie im Detail an.» Die Messe wird die Frage klären müssen, ob Rastorfer als Komiteemitglied noch tragbar ist. Und wie sie im Hinblick auf die Art Basel Miami Beach im Dezember den Fall beurteilt, denn dann ist der Kodex in Kraft.

Erstellt: 14.06.2018, 19:11 Uhr

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