Gebt die geraubten Objekte zurück!

An der Debatte über die Restitution von Kulturgütern aus Afrika muss sich auch die Schweiz beteiligen.

Kulturgüter aus der Kolonialzeit: Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika sind im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg in einer Vitrine ausgestellt. Bild: Keystone

Kulturgüter aus der Kolonialzeit: Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika sind im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg in einer Vitrine ausgestellt. Bild: Keystone

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Auch wenn man die Völkerkunde­museen der Schweiz nicht als Raubkunstpaläste bezeichnen möchte, so lagern doch auch hier unzählige Objekte dubioser Herkunft. Die Museen wissen oft selbst nicht, unter welchen Bedingungen die kostbaren Stücke erworben worden sind.

Mit der Initiative von Emmanuel Macron, der 2017 in Burkina Faso den Ländern Afrikas versprochen hat, dass die Franzosen die Kulturgüter restituieren wollen, die sie ihren Kolonien geraubt haben, kam Bewegung in die Sache. In Deutschland, wo die Debatte um die Restitution von afrikanischen Kulturgütern fast noch heftiger geführt wird als in Frankreich, fordern Historiker, dass das umstrittene Humboldt-Forum in Berlin, das in diesem Herbst eröffnet werden soll, in Benin-Forum umbenannt wird.

Es ist höchste Zeit, dass die Bestände in den Schweizer Völkerkundemuseen durchforstet werden.

Auf die Schweiz ist die Debatte bislang noch nicht übergeschwappt. Klar regierten wir nie ein Kolonialreich wie viele andere europäische Länder. Dennoch haben auch unsere Welt­reisenden und Sammler, die ihre Trouvaillen den Museen übergaben, ihre Erwerbungen unter den Rahmen­bedingungen des Kolonialismus gemacht und mithin von den extrem asymmetrischen Terms of Trade profitiert.

Es ist deshalb höchste Zeit, dass auch die Bestände in den Völkerkundemuseen in Zürich, Basel, St. Gallen, Genf, Neuenburg und Bern durchforstet werden und die Herkunft der fraglichen Stücke rekonstruiert wird. So hat etwa das Museum Rietberg in Zürich zurzeit eine Ausstellung, in der es die Provenienzen einiger herausragender Stücke offenlegt. Das Beispiel sollte unbedingt Schule machen.

Wenn die Objekte allerdings unrechtmässig in die Sammlungen gelangt sind, dann gehören sie restituiert. Das Rückgabeprozedere verlangt freilich nach Rechtsreformen sowohl in Europa (also auch der Schweiz) als auch in Afrika. Denn ohne eine Umkehr der Beweislast, die das Museum verpflichtet, die Rechtmässigkeit seiner Besitztümer zu belegen, kommt eine Restitution auf breiter Front gar nicht in Gang. 

Erstellt: 17.01.2019, 20:06 Uhr

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