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Kichern mit Abramovic

Marina Abramovic hat in London ihre Ausstellung «512 Hours» eröffnet, die Besucher stehen Schlange. Was sie drinnen erwarten, wissen weder die Besucher noch die Künstlerin selber.

Mobiltelefone und andere elektronische Geräte sind nicht erlaubt: Marina Abramovic an der Pressekonferenz zu ihrer aktuellen Performance in London.
Mobiltelefone und andere elektronische Geräte sind nicht erlaubt: Marina Abramovic an der Pressekonferenz zu ihrer aktuellen Performance in London.
Keystone
Wandelte zu Beginn einfach durch die Gallerie: Abramovic in London.
Wandelte zu Beginn einfach durch die Gallerie: Abramovic in London.
Keystone
Weiss noch nicht, was alles passieren wird: Abramovic richtet sich in London an die Presse.
Weiss noch nicht, was alles passieren wird: Abramovic richtet sich in London an die Presse.
Keystone
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200 Menschen warten auf dem Pfad zur Serpentine Gallery im Londoner Hyde Park, als sich die Türen zur Dauer-Performance «512 Hours» der Künstlerin Marina Abramovic öffnen. Eine Mitarbeiterin erklärt, dass nur 180 Leute auf einmal die Galerie betreten dürfen. Selbst wer vorne stehe, müsse unter Umständen lange warten. Denn nur wenn ein Gast die Galerie verlässt, darf ein anderer hinein. Alle Besucher können so lange bleiben, wie sie mögen. So sind die Regeln.

Abramovic zählt zu den weltweit bekanntesten Performance-Künstlern. In London will sie acht Stunden am Tag, sechs Tage die Woche in der Galerie sein und mit den Besuchern in Kontakt treten. Und das bis zum 25. August.

Mobiltelefone und andere elektronische Geräte sind nicht erlaubt - Wachleute bringen die Besucher zu Schliessfächern und passen auf, dass jeder seine Tasche einschliesst. Die Gründe erklärt Marina Abramovic so: «Wir wollen nicht, dass die Leute herkommen und telefonieren, bloggen und tweeten, ohne dass sie überhaupt etwas gesehen haben, so wie sie das sonst immer tun. Ich will nicht, dass die Leute Fotos von Dingen machen, die sie gar nicht selbst erfahren.»

Kontaktaufnahme

Die Stimmung ist entspannt. Viele sind auf lange Wartezeiten vorbereitet. «Mir ist egal, wie lange es dauert. Ich warte so lange wie ich muss», sagt eine Besucherin.

Wer drinnen ist, sieht: Die Wände der Galerie sind kahl, der Raum ist hell erleuchtet, in der Mitte steht ein kleines Podest. Obwohl sich viele Menschen durch den Raum bewegen, ist es ruhig. Schritte sind zu hören, manchmal knarzt das Podest, und hier und da erklingt ein Flüstern.

Abramovic und ihre Assistentin wandeln durch die Galerie, nehmen Besucher an die Hand, gehen ein Stück mit ihnen. Dann legen sie ihnen die Hand auf den Rücken, flüstern ihnen zu, dass sie die Augen schliessen und ruhig atmen sollen, und gehen weiter.

Manche stehen lange unbewegt und mit geschlossenen Augen im Raum. Andere ergreifen selbst die Initiative, nehmen andere Menschen an die Hand und schreiten mit ihnen durch den Raum. Wieder andere reagieren unbeholfen und kichern, als die Künstlerin auf sie zukommt.

Und auch einige Skeptiker scheinen unter den Gästen zu sein. Sie betrachten das Geschehen mit kritischem Blick, folgen Abramovic aber auf Schritt und Tritt, als hofften sie, dadurch zu verstehen, um was es bei dieser Performance eigentlich geht.

Kein Konzept

Die Arbeiten der 67-jährigen Abramovic haben oft für Aufsehen gesorgt. Während ihrer grossen Retrospektive 2010 im New Yorker Museum of Modern Art sass sie über Hunderte von Stunden wechselnden Besuchern schweigend gegenüber. Kritiker bezweifelten den Kunstgehalt der Aktion.

In London hielt sie sich mit Vorankündigungen zurück und sagte vor der Eröffnung lediglich, dass sie nicht wisse, was in dieser Performance passieren werde. Nichts sei vorausgeplant, es gebe kein Konzept. Aber sei sie besorgt, wie die Leute auf sie reagieren.

Die meisten Gäste, die die Ausstellung verlassen, gehen mit einem zufriedenen Lächeln, manche sogar andächtig. An diesem Mittwoch muss sich Marina Abramovic keine Sorgen machen.

SDA/kpn

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