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Kleine Monster

Wir lieben die anmutigen Madonnen der Renaissance. Warum aber liegen in ihren Armen immer so hässliche Jesus-Babys?

Nuggis gab es noch keine in der Renaissance. Ein Glück! Man stelle sich den Jesusknaben mit Schnuller im Mündchen vor. Grotesk. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, an die darf man einfach nicht denken.

Andererseits ist den grossen Malern das göttliche Kind auch ohne Nuggi nicht immer wohlgeraten. Blättert man in der Kunstgeschichte, dann wimmelt es geradezu von hässlichen Jesus-Babys. Viele sind viel zu gross, weit über das Krippenalter hinaus, fast schon halbwüchsig; sie scheinen mit wuscheliger Frisur zur Welt gekommen zu sein und hängen an ihrer Mutter wie prall gefüllte Shoppingtaschen. Dann gibt es die winzigen Erwachsenen mit zerknautschtem Gesicht, als litten sie an Progerie, jener schlimmen Krankheit vorschnellen Alterns. Bei manchen ist nur der Kopf monströs gebildet, während das Leib­untere noch seltsam fötal erscheint. Andere liegen auf ihrer Stallmatte und schauen so gramerfüllt drein, dass sich sogar der Esel abwendet. Ein Störfall der bildenden Kunst, über den sich vielleicht doch einmal nachzudenken lohnt.

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