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Kunstmarkt: Vor dem Kaufen wird neuerdings nachgedacht

Die Katastrophe ist ausgeblieben an der Art Basel Miami Beach. Doch der Rhythmus der Messe hat sich verlangsamt: Vor dem Einkaufen wird neuerdings nachgedacht.

Barack Obama ist auch an der Art Basel Miami Beach präsent: Kurt Kaupers Porträt am Stand von Galerist Jeffrey Deitch.
Barack Obama ist auch an der Art Basel Miami Beach präsent: Kurt Kaupers Porträt am Stand von Galerist Jeffrey Deitch.
Keystone
Dunkle Riesen: Die Holzskulpturen des Franzosen Cyrille André.
Dunkle Riesen: Die Holzskulpturen des Franzosen Cyrille André.
Keystone
Überraschende Perspektive: Ein Werk des Malers und Fotografen Gregory Scott.
Überraschende Perspektive: Ein Werk des Malers und Fotografen Gregory Scott.
Keystone
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Bis zum letzten Messetag hält der Volksauflauf an der Art Basel Miami Beach (ABMB) an, und wo die Rahmen noch aus Gold sind, herrscht sogar Belagerungszustand. Dass die Galeristen gleichwohl nicht ins Schwitzen geraten, hat einen einfachen Grund: Es ist eine Invasion der Schaulustigen, und wenn jemand nach Preisen fragt, dann nur aus Neugier.

Wartelisten und Ellbogenkämpfe sind passé: Man darf wieder zweimal hinschauen. Und lässt sich so viel Zeit, dass erstmals der letzte Messetag spannender war als der erste: Vieles wurde bis dahin nur reserviert.

Vor allem bei den Helden der Gegenwart, wo sich die Preisspirale zuletzt schwindlig drehte, will sich niemand mehr die Finger verbrennen. Und dass ein Neo Rauch noch am zweiten Tag bei mehreren Galerien verfügbar ist, ist ein deutliches Signal. Harry Lybke von der Galerie Eigen & Art sprach von einem Rückgang von 80 Prozent, und er ist nicht allein: Bei einer Umfrage des «Miami Herald» gab fast die Hälfte der Galerien an, dass sie Einbussen hinnehmen mussten. Ein Viertel will eine Bewerbung für 2009 erst einmal überschlafen.

Fotografie und Video waren rar

Doch das Convention Center ist nicht die Wallstreet. «Es ist kein Weltuntergang», hört man bei der Galerie Mai36 (Zürich), «ich werde die Kosten wohl einspielen.» Auch Sabrina Buell von der Matthew Marks Gallery (London) kann mit dem Ergebnis leben: «Es hätte schlimmer kommen können.» Andere hat es übler erwischt: Dass man bei Regen Projects (New York) keine Lust auf Konversation hat, liegt nicht daran, dass gerade ein wichtiger Kunde wartet. Und Peter Kilchmann (Zürich) spricht von der «schlechtesten Messe, an der ich je war». Die Armory Show im Frühjahr in New York hat er bereits abgesagt. Er rechnet damit, dass Galerien bald konservativer auswählen. Ein Trend, der bereits zu beobachten war: Übermässig grell war die siebte ABMB nicht, Fotografie und Video waren rar.

Etwas weniger anfällig zeigte sich der klassische Sektor. Vielleicht auch, weil man hier eher Kompromisse eingegangen ist. Achim Moeller korrigierte die Preise «um 20 bis 30 Prozent» nach unten. Er hat verkauft, doch «die Leute warten deutlich länger, bis sie ihr Checkbuch zücken». Gut gelaunt zeigt sich Silke Thomas (Galerie Thomas, München): «Wir haben gute Verkäufe, Picasso, Miró, Kandinsky. Das meiste nicht in der obersten Preisklasse, aber vieles über 100'000 Dollar.» Ihre Stammkundschaft entstamme eher der Industrie denn der Finanzbranche, die eher nach schrilleren Farben Ausschau hält.

Dass just in New York der Kunstmarkt in Scherben liegt, ist kein Zufall – und wird auf die grösste US-Konkurrentin der ABMB, die Armory Show, nicht ohne Wirkung bleiben. «In New York ist der Markt nicht am Boden, er ist tot», sagt Michael Foley, der an der Aqua Art Fair auf bessere Zeiten hofft. «Geld ist noch da, die Manager haben ja wie verrückt verdient. Doch alle warten ab.» Während Kunstkritiker Jerry Saltz an einem Panel den Tod von 50 bis 100 Galerien in New York prophezeite, nimmt es Antonio Homem von der Galerie Sonnabend mit Galgenhumor: «Wir hatten sehr viele Besucher am Stand. Sie haben unsere Werke interessiert zur Kenntnis genommen.»

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