Lieber Kunst als ein Privatjet

Ohne dubioses Geld wäre viel Hochkultur gar nie entstanden.

Von Bankiers gesponsort: Die Erschaffung Adams von Michelangelo.

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Viel Kunst braucht viel Geld. So sind auch die Solothurner Filmtage auf der schwierigen Suche nach Sponsoren. Trotzdem verzichtet das Film­festival auf finanzielle Hilfe des schweizerisch-­angolanischen Geschäftsmannes Jean-Claude Bastos, weil dieser mit fragwürdigen, aber nicht justiziablen Offshore-Transaktionen für Schlag­zeilen sorgte. Bloss: Ohne die Zuwendungen der Bankiersfamilie Medici gäbe es weder einen Michelangelo noch einen da Vinci. Und in der Schweiz unterstützten die Grossbanken jahrzehntelang populäre Kulturanlässe, während sie gleichzeitig Diktatorengelder verwalteten.

Der Fall wirft ein Licht auf ethische Standards beim Kultursponsoring, zumal andere Veranstalter und auch Schweizer Universitäten Zuwendungen von Bastos angenommen haben. Wie genau sollen Veranstalter beim Sponsoring hingucken? Müssen sie überhaupt hingucken? Oder ist solches Geld nicht gerade bei Kulturveranstaltungen gut aufgehoben – viel besser als in Investitionen, die den alleinigen Zweck haben, das Firmenvermögen zu vergrössern oder einem Millionär weitere Privatjets zu bescheren?

In England wurde diese Thematik bereits vor ein paar Jahren diskutiert. Die Tate Gallery geriet in die Kritik, weil sie sich als umweltbewusste Institution vom Petrolkonzern BP sponsern liess. In der Folge wurden Forderungen nach einem Kodex laut, die vernünftig scheinen: Sponsoren und Philanthropen müssen öffentlich ausgewiesen werden, sie sollen keinen Einfluss auf den Anlass nehmen, ihre Werte und Ziele sollen nicht direkt jenen des Veranstalters widersprechen. Eine Waffenfabrik dürfte also keine Kriegsfotografieausstellung sponsern. Nach diesen Standards hätten die Solothurner Filmtage das angebotene Geld wohl annehmen können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.01.2018, 22:16 Uhr

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