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Mit falschen Chalets gegen die Sowjets

Jeden Freitag präsentiert Redaktion Tamedia Fundstücke aus dem Archiv der Fotostiftung Schweiz. Heute: Bunker-Chalets.

Zwischen 2001 und 2003 fotografierte der Winterthurer Fotograf Christian Schwager in allen Landesregionen Bunker, die als Chalets getarnt sind. Zu Hunderten sind diese im Auftrag der Schweizer Armee seit 1941 gebauten Befestigungsanlagen in der ganzen Schweiz verteilt. Im Baustil der jeweiligen Region gestaltet, fügen sie sich auf den ersten Blick perfekt in die ländliche Kalenderbild-Umgebung ein. Doch beim genaueren Hinsehen, das Schwager mit seinen zwar präzisen, aber doch nicht alles offen legenden «Architektur»-Fotografien provoziert, erweisen sich die «falschen Chalets» als groteske Staffage in der als herbstliche Postkarten-Idylle festgehaltenen Schweizer Landschaft.

Seit den 1990er-Jahren unterstehen die getarnten Bunker nicht mehr der Geheimhaltung. Nach ersten Recherchen konnte Christian Schwager in der Eidgenössischen Militärbibliothek und mithilfe des Militärhistorischen Vereins – das Eidgenössische Militärdepartement zeigte kaum Interesse – ein praktisch vollständiges Inventar dieser liebevoll gestalteten, mittlerweile nicht selten einer privaten Nutzung zugeführten Relikte einer naiv anmutenden schweizerischen Verteidigungsstrategie erstellen. Das Resultat ist eine fotografische Arbeit zwischen wissenschaftlicher Feldforschung und Kunstprojekt, zwischen akribischer Spurensuche und hintergründig ironischer Bestandsaufnahme, ein Inventar schweizerischer Befindlichkeit.

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